
Urkunden des Königlichen Staatsarchivs zu Magdeburg, Chronik der Stadt Goslar, Abel: Stifts- Stadt und Landeschronik des Fürstentums Halberstadt, Bernburg 1754, Frantz: Geschichte des Bistums Halberstadt, Halberstadt 1853, R. Hinze: Bedeutung der Bodendenkmalpflege im Rahmen der Heimatforschung, Leipzig 1970, H. Kremmling: Chronik der Stadt und Landgemeinden des Kreises Oschersleben, Oschersleben 1911, Dr. St. Kunze: Geschichte, Statistik und Topographie sämtlicher Orte des landrätlichen Kreises Oschersleben, Oschersleben 1842, Niemann: Geschichte von Halberstadt, Halberstadt 1829, Dr. theol. J.L.Ch. Niemeyer: Die Huysburg, Halberstadt 1840, G. Schmidt: Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt, Leipzig 1883-1889, G. Schmidt: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Oschersleben, Halle 1891, Prof. J. Udolph: Lehrstuhl für Onomastik, Universität Leipzig
Dieser wird unterschiedlich interpretiert. Laut Prof. J. Udolph von der Universität Leipzig, Leiter des Lehrstuhls für Namensforschung hat sich der zweite Wortteil „leben“ durch mundartlichen Wandel aus „leve“ entwickelt, was soviel wie „Hinterlassenschaft, Erbe“ bedeutet. „Dede“ wurde aus dem Eigennamen „Dedo“ abgewandelt. Demnach ist die Bedeutung als „Besitz oder Erbe eines „Dedo“ zu verstehen und sicherlich in die vorkarolingische Zeit zu datieren. Verschiedene ältere Namensformen sind, um nur wenige aufzuführen, Dedeleve (1114), Dedenleibe (1164), Deddenleve (1189) und Detdeleve (1212).
Die erste urkundliche Erwähnung Dedelebens datiert aus dem Jahre 1057.
Der Pfalzgraf Dietrich von Sommerschenburg hatte die Lehnshoheit auch über unseren Ort und seine Gemarkung und wird in älteren Aufzeichnungen auch als „Dedo von Dedeleben“ bezeichnet. Er war getreuer Vasall des Kaisers Heinrich III., der vergiftet wurde. Da Dedo vielleicht zu viel über den Kaisermord wusste, wurde er auf Befehl des Erzbischofs Adalbert von Bremen in Goslar erstochen.
Der Ort Dedeleben bestand aus zwei Siedlungen, die aus zwei befestigten Burgsiedlungen, zwei Wasserburgen, hervorgingen, die im Nordharzvorgebiet zur Sicherung der südlichen Übergänge über das Große Bruch errichtet wurden. Die Burgen müssen ebenso wie die Westerburg in die Zeit der Karolinger datiert werden.
Ende des 11. Jahrhunderts wird das Ministerialiengeschlecht (Adel mit besonderen Dienstrechten) der „Herren auf Dedeleve“ (Hugold und Detmar) vom Halberstädter Bischof Burchard II. (1060 – 1088), bekannt als Buko, mit dem „Hof da der steynere Turm stehet“ in Norddedeleben belehnt. Die erwähnte Wasserburg war eine der größten und bedeutendsten des nördlichen Vorharzgebietes und Mittelpunkt eines Fronhofverbandes.
Die Wasserburg in Süddedeleben, ein Freier Sattelhof (besondere Rechte und Pflichten), stand unter der Lehnsherrschaft der Grafen von Regenstein.
1352 verzichteten sie auf ihren gesamten Besitz in Dedeleben, weil der wichtigste der Regensteiner Grafen Albrecht II. und seine Begleiter während eines Inspektionsrittes zur Westerburg von Rittern des Halberstädter Bischofs Albrecht von Mansfeld (1346 – 1356) bei Danstedt ermordet wurden. Daraufhin fiel die Burg mit dem Zubehör dem Hochstift Halberstadt zu.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verschwindet das Geschlecht „derer von Dedeleben” aus der Ortsgeschichte und die Familie Kneitling wurde 1350 mit Hauptburg sowie Halberstädter und Regensteiner Äckern, Gütern und Orten belehnt. Auch die Westerburg gehört dazu.1504 bestätigt Bischof Ernst von Magdeburg und Herzog von Sachsen dem Dietrich von Kneitlingen den Besitz von Gütern, Höfen und Orte in und um Dedeleben.
Ende des 16.Jahrhunderts starb dieses Adelsgeschlecht aus. Nur ein lebensgroßes Sandsteinepitaph des Ritters Asche von Kneitlingen von 1593, gezeigt in kompletter Ritterrüstung, in der Ruine der Johanneskirche erinnert an diese Familie.
Während der Zeit des Bauernkrieges schlossen sich unfreie Bauern aus beiden Ortsteilen den Aufständischen an, die vom Harz zu uns vordrangen, und plünderten und brandschatzten die Huysburg. Als Strafe mussten die Orte 100 Silbertaler zahlen. Was mit den Aufständischen geschah, ist nicht überliefert.
Bischof Albrecht V. (1513 – 1545) von Halberstadt legte gemeinsam mit Herzog Heinrich von Braunschweig durch das Ausstechen zweier Gräben im Großen Bruch und Aufwerfung eines Mitteldammes die Grenze zwischen dem Bistum Halberstadt (südlich) und dem Herzogtum Braunschweig (nördlich) fest.
Des Weiteren ließ man im bischöflichen Gebiet des Flachmoors Entwässerungsgräben ausheben. Die Maßnahmen wurden 1536 begonnen und wegen des nicht erhofften Erfolgs 1540 zunächst beendet. Vermutlich wurde in dieser Zeit der Kiebitzdamm aufgeschüttet, der das Große Bruch an einer der engsten Stellen in Süd - Nordrichtung durch die Sumpfwildnis querte.
Fortgesetzt wurden die 1540 unterbrochenen Arbeiten von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig, Bischof von Halberstadt (1566 – 1613). Er ließ den Großen Graben so vertiefen, dass auf ihm tatsächlich Lastkähne Baumaterial von Hessen nach Gröningen transportierte. Daher auch der Zweitname „Schiffsgraben“.
Der Fürstbischof erwarb sich auch Verdienste in kirchlichen Dingen: das protestantische Kirchenwesen wurde in Dedeleben eingeführt. Beide Kirchspiele wurden 1589 mit evangelischen Pfarrern besetzt.
Trotz seiner aufgeklärten Denkweise war der Fürstbischof für die Hexenverfolgung. Peregrinus Hünerkopf, der Amtmann der Westerburg, war ein williger Handlanger für ihn und besaß die Gerichtsbarkeit in seinem Amtsbezirk. Am Schäferteich der Westerburg wurde als erste angebliche „Hexe“ die junge Anna Meyer aus Rohrsheim am 13. August 1597 verbrannt. Obwohl der Magdeburger Schöppenstuhl 1598 dem Treiben auf der Westerburg Einhalt gebot, mordete Peregrinus Hünerkopf bis 1603 weiter.
Ende des 16. Jahrhunderts belehnte Bischof Heinrich Julius das edle Geschlecht derer von Wrampe mit dem Besitz des Sattelhofes und allem Zubehör in Großdedeleben. Ab 1572 teilten sich die vier Söhne Dietrichs von Wrampe das „Sitzhaus“, die südliche Wasserburg. Doch bereits 1654 wurde der Hof weitergegeben, da der letzte von Wrampe wegen eines Mordes flüchtig wurde.
1630 erhielt das Geschlecht von Hünecke aus der Altmark das Rittergut und alle dazu gehörenden bischöflichen Besitzungen in und um Dedeleben vom Halberstädter Bischof Leopold Wilhelm (1628 – 1648) als Lehen. Erster Lehnsträger war Johann Albrecht, herzoglich Halberstädter Rat,
Oberhauptmann der Ämter Westerburg, Schlanstedt und Oschersleben sowie Probst der Kirche Sankt Paul in Halberstadt. Aus dieser Familie stammen zwei Domherren, die ab 1641 in Halberstadt tätig waren. 1667 wurden die vier Söhne des Johann Christof von Hünecke auch noch mit dem Freien Sattelhof in Großdedeleben belehnt.
(Bis 1945 blieben alle Güter im Besitz der Familie von Hünecke.)
Bis1635 blieb unser Ort unberührt. Jedoch im September 1635 floh die Bevölkerung in die Sumpfwildnis und in andere Gegenden, da Gefechte, Raub und Mord im Ort wüteten. 1641 besetzten schwedische Truppen (General Wrangler) den Kiebitzdamm und zwei Tage später richteten die Truppen des Feldmarschalls Wallenstein auch in Dedeleben furchtbare Verwüstungen an. Mehr als 60 Familien wurden ermordet und fast alle Behausungen zerstört. Erst 1642 zog wieder Ruhe ein.
Dedeleben war während dieses Krieges von größeren Bränden verschont geblieben. Am 22. August 1673 kam es jedoch zu einer verheerenden Feuersbrunst in Großdedeleben.
27 Häuser, Wirtschaftsgebäude und mit Erntegut gefüllte Scheunen brannten ab. Auch die Kirche geriet in Brand und der Turm samt Glockenstuhl stürzte ein. Die gesamten Häuser der Hüttenstraße, die Anwesen „Am Markt“ und auch der „Wrampehof“ wurden ein Raub der Flammen. Dieser wurde nicht wieder aufgebaut. Mehrere Häuslingshäuser (Häusler – Lohnarbeiter mit Hausbesitz) errichtete man auf seinem Grund. Noch heute lebt der Name der ehemaligen mittelalterlichen Wasserburg in „Wrampestraße“ und „Wrampehof“ weiter.
Von der Regierungszeit Matthias Friedrich, der Leiter des Hauswesens des Freien Sattelhofes in Großdedeleben war, zugleich Hofmarschall des Halberstädter Fürstenhofes und Verwalter der Vogtei des Stiftes „Unserer Lieben Frauen“, profitierte unser Ort. Da er den Hugenotten Asyl gewährte, siedelten sich in unserem Ort hervorragende Handwerker und Unternehmer an.
Bis Mitte des 18. Jahrhunderts verlief das Leben in unserer Dorfgemeinschaft in normalen Bahnen. Durch Friedrich II. (1712 - 1786) setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, da er die eingestellten Arbeiten zur Entwässerung des Großen Bruches wieder aufnehmen ließ. Im November 1754 wurde das Projekt unter der Leitung des französischen Ingenieur
Capitain LeFevre begonnen. Er plante die vollständige Urbarmachung der Sumpfwildnis (30.000 Morgen - 7500 Hektar Ackerland) auf preußischem Gebiet. Viele Dedelebener waren eingestellt und verdienten gutes Geld. Doch schon ein Jahr später wurden die Arbeiten eingestellt, da die Staatsfinanzen für die Vorbereitung eines weiteren Krieges benötigt wurden. Aus unseren beiden Orten wurden fast alle jungen waffenfähigen Männer rekrutiert, oft durch Zwang. Die meisten kehrten aus dem 3. Schlesischen Krieg (Siebenjähriger Krieg 1756 – 1763) nicht zurück.
Im Januar 1758 besetzten französische Truppen Halberstadt und plünderten. Eine große Einheit bezog Quartier in der Hinterstraße unseres Ortes. Doch sie richtete keine Schäden an, da die Franzosen vor der eilig anrückenden Truppe des Prinzen von Preußen über den Kiebitzdamm flohen.
Die Regentschaft Friedrich II. brachte auch für unseren Ort Positives. Per Dekret vom 26. März 1757 ordnete er den Anbau der südamerikanischen Kartoffel an, die den täglichen Buchweizenbrei ablöste.
Aber noch wichtiger war seine 1768 durchgeführte Schulreform. Zwar bestanden schon Mitte des 17. Jahrhunderts in beiden Orten je eine einklassige Schule (mehrere Jahrgänge in einem Raum mit einem Kantor), die nur Kinder besuchten, deren Familien Schulgeld aufbringen konnten. Friedrich II. legte die „Allgemeine Schulpflicht aller Kinder...“ fest.
Daraufhin wurden auch unsere Schulgebäude umgebaut, erweitert und allen Kindern zugänglich gemacht.
Das 18. Jahrhundert verabschiedet sich mit einer verheerenden Feuersbrunst in Kleindedeleben. Am 12. November ab 22.00 Uhr brannten 16 Gehöfte und alle Wirtschaftsgebäude des Edelhofes bis auf die Grundmauern nieder.
Das 19. Jahrhundert ist von vielen historischen Ereignissen geprägt, die sich auch auf Dedeleben auswirken.
1803 übernahm Dr. theol. J. L. Niemeyer (1772 - 1857) die Pfarrstelle in Norddedeleben bis 1856. Segensreich für unsere Gemeinde war Niemeyers Engagement für sauberes Trinkwasser, die Aufklärung über das Entstehen von Seuchen im Zusammenhang mit der allgemeinen Hygiene und der Einrichtung einer regelmäßigen Arztsprechstunde. So blieb die europaweite Grippewelle des Jahres 1889 in unserem Ort ohne Folgen. Niemeyer veranlasste auch die Schaffung eines tierärztlichen Bereitschaftsdienstes. Das war für ein Dorf eine einmalige Leistung.
1804 ließ ein anhaltender Winter das Getreide erst im September reifen. Diese Missernte führte zu Preisen, die sich kaum einer leisten konnte. Der Wispel Weizen (Getreidemaß - ein Wispel gleich 1400 kg) kostete für die damalige Zeit die ungeheure Summe von 125 Talern. Zur Viehfütterung wurde von vielen Dächern das Stroh verwendet und für die Notleidenden Brotkorn gesammelt und für sie kostenlos im Gemeindebackhaus Brot gebacken.
Unser Ort geriet 1807 nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unter die Herrschaft Napoleon I. und wurde dem neu geschaffenen Königreich Westfalen zugeordnet und erhielt im so genannten Saale –Departement (Bezirk) den Status einer Cantons - Maire (Hauptort eines Verwaltungsbezirkes).
Die Westerburg verschenkte Napoleon an seine Schwester Marie Pauline Bonaparte, die dort nie anwesend war.
Von 1807 bis 1813 verwaltete der Dedelebener königlich-preußische Rittmeister Ludwig von Hünecke (1767 - 1829) den Bezirk. Nach der Niederlage Napoleons wurde Hünecke zum Bezirksbürgermeister vom König Friedrich Wilhelm III. ernannt und übte das Amt von 1814 bis 1817 aus.
Während der Befreiungskriege gegen Napoleon (1806 - 1813) war unser Ort mehrmals hart betroffen. Neben erhobenen maßlosen Lieferungen und Abgaben für die französische Armee und den erhöhten Steuern kam auch noch der Zwang der Vorspanndienste für den 1807 begonnenen Bau der Heerstraße Halberstadt – Braunschweig. Zwangsläufig wurde dadurch Bestellung und Ernte vernachlässigt. Schwere Unwetter vernichteten fast die gesamte Ernte und das Wenige, was zu bergen war, forderten die Franzosen ein.
Von 1808 bis Juni 1809 wurde Dedeleben Garnisonsstandort für das französische 7. Leichte Regiment unter Capitain Brocq, das sich selbst den Namen „Les Barbets“ (die Schmuggler) gab, aber keine Übergriffe auf die Bevölkerung vornahm.
Die erste Begegnung mit dem Befreiungskrieg erlebte der Ort am 29. Juli 1809. Der Herzog von Braunschweig Friedrich Wilhelm errang einen Siegeszug über die Westfalen des französischen Befehlsstabes Meyronne in Halberstadt. Reste des geschlagenen Regiments bezogen im Ort Quartier und mussten verpflegt werden und die Verwundeten versorgt werden.
Von 1811 bis 1812 (Napoleon rüstete für den Krieg gegen Russland) brach für unseren Ort eine schwere Zeit an. Es gab ständige Truppendurchzüge,
Einquartierungen und die Pflicht zur Bereitstellung von Vorspanndiensten. Auch wurden waffenfähige Männer zwangsrekrutiert, von denen viele nach dem Russlandfeldzug nicht wiederkamen. Bereits 1812 zogen die ersten jammervoll zugerichteten Einheiten der „Unbesiegbaren Großen Armee” nach ihrer Niederlage in unseren Ort ein. Für Verwundete mussten Vorspanndienste geleistet und Zwangseinquartierte geduldet werden. Dazu kamen auch noch Lieferungen aller Art und eine Kriegssteuer, die kaum aufzubringen war. An diesen Kriegen mussten 33 junge Männer aus Norddedeleben und 24 aus Großdedeleben auf Seiten Napoleons teilnehmen.
Am 22. Oktober 1813 erreichte auch unseren Ort die Nachricht vom Sieg über Napoleon. An der Winterschen Schmiede am Markt wurde am 26. des Monats der preußische Adler wieder angebracht und der westfälische entfernt. Die Bevölkerung feierte am 14. November ein Sieges- und Dankesfest.
Vom 13. bis 16. März lagerte im Ort ein Regiment russischer berittener Landwehr, das aber die Einwohner nicht belästigte.
1815 trat auch in Dedeleben das preußische Landrecht und die Verfassung in Kraft. Aus diesem Anlass wurde am 22. Januar 1815 zwischen beiden Kirchspielen die „Königseiche“ gepflanzt und der Platz „Königsplatz” benannt.
1825 wird in Preußen eine Gebietsreform durchgeführt und Landkreise werden gebildet. Wir gehören zum Landkreis Oschersleben. Von 1825 bis 1829 wird Dedeleben Sitz des Landratsamtes, das im Rittergut eingerichtet wurde und Freiherr von Hünecke wird auf Grund seiner Verdienste zum ersten Landrat ernannt. Nach seinem Ableben 1829 wird das Landratsamt 1833 nach Schwanebeck verlagert.
Bereits 1833 deutete sich auch für unseren Ort die industrielle Revolution (1825 - 1914) an und bewirkte einen rasanten Aufschwung in allen Bereichen unserer Dorfgenossenschaft.
1833 wurde auf den Sömmeringberg/Telegrafenberg die Station Nummer 19 der Königlich Preußischen Optischen Telegraphenlinie Berlin-Köln-Koblenz eröffnet. Sie war eine von 62 Stationen. Die Gesamtlänge der Telegrafenlinie betrug 588 Kilometer. Die Stationen standen in einen Abstand von ungefähr 7,5 bis 15 Kilometer auseinander. Für die Nachrichtenübermittlung wurden 90 Minuten benötigt und war für militärische und staatliche Depeschen bestimmt.
Die Station bestand aus einen Wohnhaus (meisten) und einem dazugehörigen Signalmasten. An ihnen waren auf drei Ebenen Flügelpaare angebracht. Man konnte sie über ein Seilzugsystem in verschiedene Stellungen bringen (45, 90 sowie 135 Grad) wodurch 4095 Kombinationen möglich waren. 1840 wurde die Telegrafenstation auf den Sömmeringberg/Telegrafenberg nach Dedeleben eingepfarrt.
Aus der Dedelebener Chronik des Jahres 1850 geht hervor, dass die Gemeinde das Wohnhaus für 294 Taler kaufte und es an der Hauptstraße wieder aufbaute und als Wohnhaus für den Chausseewärter nutzte. In den Jahren 1849 bis 1852 wurde der Betrieb auf der ganzen Linie eingestellt. Nach der Betriebseinstellung der optisch-mechanischen Telegrafenlinie wurden einige Telegrafenbeamten in das Stammpersonal der elektromagnetischen Telegrafenlinie übernommen. Andere gingen in den Postdienst bzw. aufgrund ihres Alters in Pension.
In der Nacht des 23. Februar 1835 schreckten die Menschen aus dem Schlaf, da ein Großfeuer fast alle Gebäude in der Klintstraße in Norddedeleben vernichtete. Beim Wiederaufbau wurde darauf geachtet, dass die Häuser weiter auseinander gebaut wurden. Dadurch entstand ein schöner und breiter Straßenzug.
Mit der Durchsetzung der ersten Phase der industriellen Revolution erlangte auch unser Ort eine bis dahin nicht vorstellbare wirtschaftliche Stärke.
Nicht ohne Einfluss für den Ort war der Bau der Eisenbahnlinie Braunschweig - Oschersleben 1841 bis 1843. Menschen aller Gewerke, Knechte und Tagelöhner verdienten bei dem Dammbau durch das Große Bruch gutes Geld, gingen dadurch aber der örtlichen Wirtschaft verloren, was sich besonders auf die Landwirtschaft auswirkte.
Die 1846 begonnene Separation (Zusammenlegung auseinander liegender Flurstücke) brachte nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung in der Landwirtschaft.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Verhältnisse für die Bevölkerung von Grund auf. 1850 war die erste preußische Reform der Landwirtschaft abgeschlossen. Die feudalen Ausbeutungsmechanismen, Vorspann- und Handdienste und der Zehnt wurden abgeschafft. Das wirkte sich auch positiv auf den Ort aus.
1850 begann die Gemeinde die Wegeverhältnisse zu verbessern. Alle Haupt- und Zufahrtswege zur Feldflur wurden auf einer Länge von 500 m gepflastert, zum Beispiel: Rothe, Langes Feld, Teufels- und Höllenberg.
Bis dahin gab es im Ort und zu den Nachbardörfern lediglich unbefestigte Wege. Wenn man im Ort bei Regenwetter von einem Haus zum anderen ging, legte man oft Strohbündel oder Bohlen über die morastige Straße. 1849 wurde der erste Ausbau des Weges zum Kiebitzdamm begonnen, um den Fuhrwerksverkehr einigermaßen durchführen zu können. Der Weg wurde geschottert und beidseitig mit Obstbäumen bepflanzt. Um Gelder zu sparen, übernahm die Gemeinde die Bauausführung selbst. Die entstandenen Kosten sollten aber der Gemeindekasse wieder zugeführt werden. Deshalb reiste eine Abordnung des Gemeinderates nach Berlin zum preußischen Handelsminister, der einen Staatszuschuss bewilligte und die Erhebung eines „Chausseegeldes“ (schon damals Maut) genehmigte. Damit konnte der Straßenausbau fortgeführt und die Hauptstraße vom nördlichen Ortseingang bis zum „Neuen Tor“ (südlicher Ortsausgang) befestigt werden. Damit die offiziell genehmigte Maut eingenommen werden konnte, errichtete man 1851 am nördlichen Ausgang der Hauptstraße das Chausseehaus. Das Baumaterial stammte von der abgetragenen Telegraphenstation Nr. 19. Älteren Bürgern ist es vielleicht noch als „Tollhaus“ (Zollhaus) bekannt. Die Gemeinde stellte einen Mautkassierer ein, der in diesem Haus mietfrei wohnte und am 12. August 1851 das erste Chausseegeld einnahm, das in die Gemeindekasse floss.
1853 erfolgte dann die Anbindung der Straße bis an die Gemarkungsgrenze von Vogelsdorf. Trotzdem behielt der „Stadtweg“ über die „Kruck“, „Wockenstedter Mühle“ und den Huy nach Halberstadt seine Bedeutung. Ihn benutzten die „Botenfrauen“, die diesen Weg mit ihren Kiepen zu Fuß zurücklegten, um von Ortsbewohnern bestellte Waren aus der Stadt zu holen. Mit der Fertigstellung der Bahnverbindung 1890 entfiel der mühsame Fußmarsch.
1856 – 1858 wurde die westliche Verbindungsstraße nach Rohrsheim von Eichsfelder Arbeitern fertig gestellt und eine weitere Mautstelle in der Klintstraße 19 (spätere Gärtnerei Germer) eingerichtet.
Nach der Fertigstellung der Pabstorfer Chaussee wurde 1860 der Schlagbaum vom Chausseehaus zurückverlegt zum „Kleinen Krug“ (ehemals Gasthof Pölzig - heute Rudolf- Breitscheid-Straße 30). Damit konnten von einer Mautstelle der Nord- und Ostausgang des Ortes kontrolliert werden. Der ursprüngliche Weg Dedeleben – Pabstorf war der Lindenweg (heute Sömmeringweg). Er verlor seine Bedeutung nach der Fertigstellung der Chaussee, die schnurgerade beide Orte verbindet. Egal, von wo man nach wo fährt, in der Straßenmitte erscheint immer der Kirchturm des anderen Ortes.
1862 wurde die Pabstorfer Straße beidseitig mit kleinen Wohnhäusern bebaut. Hier wohnten hauptsächlich Familien, die nicht wohlhabend waren. Noch heute lebt für diesen Straßenzug die Bezeichnung „Die neue Sorge“ oder kurz „Die Sorge“ fort.
Etwa zur gleichen Zeit entstanden auch die Wohnhäuser am südlichen Ortsausgang nach Vogelsdorf; seither die Bezeichnung „Neues Tor“. Auch die Errichtung der rechten Häuserzeile in der Bahnhofsstraße (entlang des „Breil“) kann so datiert werden. Genannt wurde sie „Neustadt“
In den 80er Jahren wurde der Wegzoll abgeschafft. Damit gingen auch Einnahmen für den Ort verloren. Zwar waren alle Wege und Straßen befestigt, doch hielten die nur mit Kalkstein aufgeschütteten Schotterwege der zunehmenden Belastung durch den Fracht- und Fuhrverkehr nicht stand. Deshalb wurden alle Dorf- und Landstraßen mit Blaubasaltsteinen aus Harzer Steinbrüchen gepflastert.
Außerdem wurden im Ort breite mit Rhombenmustern gepflasterte Fußwege angelegt. Ein Zeugnis für die finanzielle Stärke Dedelebens, denn kaum ein Ort konnte sich solche Bürgersteige leisten.
Doch unmittelbar in die Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde unser Ort wieder mit Kriegsereignissen konfrontiert. 1864 nahmen drei Dedelebener am zweiten Deutsch-Dänischen Krieg teil.
Wesentlich härter getroffen wurden wir zwei Jahre später im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866. 70 junge Männer wurden rekrutiert, zwei überlebten die Schlacht von Königgrätz, dem heutigen Hradec Kralove, nicht.
Aus Anlass des Sieges der Preußen wurde auf dem Königsplatz in Norddedeleben eine weitere Eiche gepflanzt. Wiederum nur vier Jahre später wurden 100 Dedelebener zum Militärdienst einberufen. 1870/71 kam es zum Deutsch-Französischen Krieg. Zwei junge Männer aus Großdedeleben verloren auf dem Schlachtfeld von Beaumont am 30. August 1870 ihr Leben. Ihnen zu Ehren weihte man am 18. Oktober 1871 auf dem Markt ein Siegesdenkmal ein, das durch Spenden der Bevölkerung finanziert wurde und eine Eiche wurde gepflanzt.
Die zweite Phase der industriellen Revolution brachte unserem Ort weiteren wirtschaftlichen Aufschwung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Waren es 1785 noch 940 Einwohner, so betrug die Einwohnerzahl etwa 1500 im Jahre 1860.
Damit stieg natürlich auch die Anzahl der Kinder in beiden Orten. Die bereits vorhandenen Schulgebäude der beiden Kirchengemeinden, in denen 183 Kinder unterrichtet wurden, reichten nicht mehr aus. Deshalb wurde auf dem Königsplatz eine dritte Schule (mit einer Lehrerwohnung) für die Klassen 1 bis 4 , in die Schüler beider Orte gingen, gebaut. Um dafür Bauplatz zu erhalten, wurde das dort stehende alte Spritzenhaus abgetragen und am Marienbach „Im Winkel“ wieder aufgebaut. Am 10. November weihte man den Schulneubau ein.
Die Industrialisierung der Landwirtschaft hielt Anfang der 60er Jahre auch in Dedeleben Einzug. Ausschlaggebend war der Zuckerrübenanbau, der auch in unserer Feldflur ein wichtiger Produktionszweig der Landwirtschaft wurde. Um sich weite und somit teure und uneffektive Transportwege zu ersparen, gründeten 43 Gesellschaften (nicht nur Dedelebener) eine offene Handelsgesellschaft unter dem Firmennamen „Schliephake und Co.“. Am 3. August 1864 begann der Bau einer Zuckerfabrik am Ortsrand von Dedeleben. Die Kosten betrugen 320.000 Taler, die von den Aktionären bereitgestellt wurden. Das Rittergut beteiligte sich nicht. Vielmehr ließ die Familie Hünecke eine privat finanzierte Rübenschwemme errichten. Die Zuckerrüben wurden auf einer eigens angelegten Feldbahn, die über 1,5 km lang war und vom Bruchberg über den Sömmeringweg, die Haupt- und Bahnhofsstraße den Ort durchzog, transportiert. Die Loren wurden ab Ecke Sömmeringweg/Hauptstraße von Pferden gezogen. Bis dahin rollten sie allein.
Bereits am 7. Dezember 1865 konnte der Betrieb aufgenommen werden.
In der ersten Kampagne wurden immerhin 10.777 Tonnen Rüben zu Rohzucker verarbeitet.
Der Rübenanbau bewirkte auch den Aufbau eines zweiten Unternehmens. 1872 gründeten Einwohner eine Aktiengesellschaft, die 1873 eine Rübensaftfabrik erbaute, die allerdings 1897 ihren Betrieb einstellte. Die Anlage wurde an Ortsansässige verkauft, die sie zu Wohnungen umbauten, die noch heute existieren. Im Dedelebener Sprachgebrauch von älteren Einwohnern noch als „Saftquetsche“ bezeichnet.
Ein weiterer Beweis für den Einzug der Technik in die landwirtschaftlich geprägte Region war die Errichtung der hiesigen Molkerei. Sie wurde am 25. Februar 1887 von mehreren Landwirten des Ortes als eingetragene Genossenschaft gegründet und nahm im Oktober des gleichen Jahres ihren Betrieb auf. Einige Jahre später wurde sie an die Familie Nikolaus verkauft. Anton Nikolaus richtete zusätzlich noch eine Schweinemastanlage ein und betrieb eine Viehhandlung. Bis zum 1. Januar 1873 war unser Ort beim Handels- und Postverkehr übel dran, denn die Post ereichte den Ort nur dreimal wöchentlich. An diesem Tag erhielt Dedeleben eine Kaiserliche Postagentur, die sich in kurzer Zeit zu einer der größten in ländlichen Gebieten des Deutschen Reiches entwickelte und seit dem auch die umliegenden Orte mit Postsendungen versorgte. Schon 1887 ließ sie den Ort an die öffentliche Fernsprechverbindung anbinden, das vom Generalpostminister Heinrich Stephan 1881 eingeführt wurde. Einen Fernsprecher konnten sich allerdings nur Großbauern leisten. Ab August existierte auch eine tägliche zweimalige Fahrpostverbindung (Postkutschen) zum und vom Bahnhof Dedeleben nach Rohrsheim über Westerburg und Pabstorf.
Bis 1878 wurden Bestattungen auf den beiden Kirchhöfen (also direkt an der Kirche) der beiden Kirchengemeinden vorgenommen. Doch das entsprach nicht den hygienischen Bestimmungen der Zeit und so legte man für beide Gemeinden den heutigen Friedhof auf einem Kleindedelebener Flurstück an. Noch bis 1925 war er für Bestattungen streng nach der Zugehörigkeit zur jeweiligen Kirchengemeinde getrennt. Rechts des Hauptweges (der weitaus kleinere Teil) wurden die Verstorbenen Großdedeleben und links davon die aus Kleindedeleben bestattet. Der beträchtliche Flächenunterschied ist auch ein Beweis dafür, dass Kleindedeleben bedeutend größer war als Großdedeleben. Erst nachdem der Großdedelebener Friedhof belegt war, gab es ab 1925 keine Bestattungstrennung mehr.
Bereits im August 1878 wurde die Trauerhalle eingeweiht. Das andere Gebäude wurde 1910 erbaut und diente als Remise für den Leichenwagen und als Leichenhalle. Sie gehört der Gemeinde, während die Trauerhalle, ehemals von beiden Kirchengemeinden finanziert, noch heute Eigentum der Kirche ist.
Die Zahl der Bevölkerung wuchs mit dem wirtschaftlichen Aufschwung. Nicht mehr die Landarbeiter stellten den Hauptteil, sondern Handwerker und Industriearbeiter, die auch außerhalb des Ortes ihrer Tätigkeit nachgingen, z. B. bei der Reichsbahn oder in den Salzschächten des Huy. Es wuchs automatisch auch das Bedürfnis nach gemeinsamer Gestaltung der Freizeit. Eine Vielzahl von Vereinen und Gesellschaften (Geselligkeitsvereine) in beiden Orten. Deshalb gab es jeweils zwei von ihnen. Einige seien nur erwähnt:
Die „Schützengesellschaft - Norddedeleben“ und der „Schützenverein - Großdedeleben waren schon 1814 gegründet.
Die eigentlichen Vereinsbildungen folgten erst ab 1862 mit der Bildung des Männergesangsverein „Amicitia - Großdedeleben“, der nur wenige Jahre existierte. 1863 versammelte Lehrer Winter als Dirigent 25 sangesfreudige Männer um sich und es entstand der „MGV - Liedertafel – Norddedeleben“.
1867 wurden von ehemaligen Soldaten die Kriegervereine in beiden Orten gegründet, deren Anliegen außer der Geselligkeit war, die Kameradschaft zu pflegen und sich gegenseitig innerhalb des Vereins zu unterstützen.
Außerdem entstanden Wohltätigkeitsvereine und 1870 wurde der „Frauenverein“ gegründet, der sich besonders für Not leidende Familien engagierte.
Auch in sportlicher Hinsicht tat sich einiges. Der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn und der Magdeburger Lehrer Friedrich Friesen gründeten 1810 die vaterländische Turnbewegung und waren Wegbereiter der 1868 gegründeten „Deutschen Turnerschaft“. Ihr Motiv zur körperlichen Ertüchtigung der jungen Menschen „Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei“ ist auch auf den Vereinsfahnen des Turnvereins „Friesen-Norddedeleben“ (gegründet 1891) und des Vereins „Jahn-
Großdedeleben“ (gegründet 1893) zu lesen.
1895 wurde der Kunstfahrradverein „Edelweiß“ ins Leben gerufen, der zweimal wöchentlich auf dem Saal der Gaststätte „Schwarzer Adler“ trainierte.
Am 2. März 1893 wurde die Feuerwehr gegründet. Bis dahin war jeder Hauseigentümer verpflichtet, bei einem Brand aktive Hilfe zu leisten. Pro Stunde erhielten die 50 Feuerwehrmänner aus der Gemeindekasse 25 Pfennig für jeden Einsatz. Die Gemeinden bewilligten 800 Mark für die Uniformierung und 2100 Mark für die Anschaffung einer zweiten Spritze. Zur Unterstellung beider Feuerwehrspritzen musste eine neue Remise errichtet werden, die 1894 „Im Winkel” am Marienbach (ungefähr Ortsmitte) erbaut wurde. Das alte Haus am Königsplatz, das gleichzeitig als Ortsgefängnis diente, erfüllte nicht mehr die Ansprüche.
Im „Verschönerungsverein“ engagierten sich Bürger beider Orte, um die Gemeinden schöner und attraktiver zu gestalten. Besondere Verdienste erwarb sich der Verein bei der Gestaltung des Rendelberges zu seiner heutigen Form. Begonnen wurde von Seiten der Gemeinde damit bereits am 24. Februar 1894, indem die alten, kranken und unansehnlichen Kirschbäume entfernt und ein Teil mit ortstypischem Baumbestand aufgeforstet wurde. Des Weiteren legte der Verein eine neue Parkanlage auf dem Kummühlenberg bei den Sandgruben des Grandberges an. Es wurden heimische Bäume und Sträucher angepflanzt, Bänke und eine Schutzhütte aufgestellt.
Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für unseren Ort war der 1888 begonnene Bau der Eisenbahnverbindung Nienhagen - Jerxheim. Bereits am 15. August 1890 wurde die Strecke für den Verkehr freigegeben. Täglich hielten in unserem Ort 10 Personenzüge. Auch die Zuckerfabrik profitierte davon. Jetzt konnten die Kohlen günstiger transportiert werden und auch die Zuckerrüben aus anderen Anbaugebieten angeliefert werden, wodurch sich die Verarbeitungskapazität beträchtlich erhöhte. Dazu wurde extra ein privater Gleisanschluss gelegt und eine Drehscheibe für die Loren gebaut.
1889 wurde die Eisenbahnlinie Halberstadt-Jerxheim gebaut, an die auch Dedeleben angeschlossen war. Unter großem Jubel wurde diese Eisenbahnlinie 1890 dem Verkehr übergeben. Ausschlag für den Bau dieser Strecke war die Erschließung des Kalibergwerks Wilhelmshall.
Am 15. Mai 1889 gegen 15.00 Uhr wurde der Ort von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, das von Süden kommend, den Ort überflutete. Häuser, Wirtschaftsgebäude, selbst drei steinerne Brücken wurden fortgerissen. Vieh kam um und zwei Männer ertranken in den reißenden Fluten. Der Pegelstand des Marienbaches stieg in kürzester Zeit auf drei Meter über den Normalstand. Hervorgerufen wurde die Überschwemmung durch ein lang anhaltendes Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen in Verbindung mit Hagel und walnussgroßen Hagelkörnern. Das schwer beschädigte Gebäude der Kantorei (Ecke Kirchstraße/Am Bache) musste abgerissen werden. An seiner Stelle wurde bis zum Frühjahr 1890 ein neues Schulgebäude mit einem Klassenzimmer und einer Lehrerwohnung errichtet.
1890 wurden alle Ortsstraßen mit Petroleumlaternen beleuchtet. Das Anzünden und Löschen war eine weitere Aufgabe des von der Gemeinde eingestellten Nachtwächters. Sollte dies eventuell der Grund sein für das Großfeuer von 1893? Doch Zufall konnte es nicht sein, dass am 3./5. und 6. September und am 1. November Feuer ausbrachen, die auf unerklärliche Weise Häuser und Wirtschaftsgebäude, besonders in Kleindedeleben, vernichteten.
Das heutige Bahnhofsgebäude wurde 1892 erbaut und das alte an den Holzhändler Adolf Knackstedt verkauft, der es abtragen und im Sömmeringweg als Kontor des „Holzhofes“ wieder aufbauen ließ.
Von 1956 bis zur willkürlichen Auflösung 1974 wurde es als Heimatmuseum betrieben, das das erste in einem Dorf des Kreises war und von dem Drogisten Otto Krüger geleitet wurde, unterstützt von seinen jugendlichen Helfern der Arbeitsgemeinschaft „Junge Naturforscher“. Nach der Auflösung ist der größte Teil der einmaligen Exponate unwiederbringlich verloren. Vieles wurde in Müllgruben „deponiert“ oder einfach gestohlen.
Das enorme Anwachsen der Bevölkerung und damit auch der Kleinkinderzahl machte es erforderlich, eine entsprechende Einrichtung zur Entlastung der berufstätigen Mütter zu schaffen. So wurde in Großdedeleben am 23. Oktober ein Kindergarten eingeweiht, das Marienheim, in dem zwei Erzieherinnen angestellt waren.
Es war eine private Stiftung der Familie Siehe, die vom Staat genehmigt wurde. Bis dahin wurden die Kleinen im „Großen Krug“, dem späteren Rathaus, „gesammelt und beschäftigt...“. Bis 1922 wurde es durch finanzielle Unterstützung interessierter Landwirte erhalten. Doch mit der Inflation ging das Stiftungskapital verloren und der Betrieb der Einrichtung musste eingestellt werden.
Auch für die Schulen bedeutete der Bevölkerungszuwachs ein Problem. Der Gemeinderat beschloss eine Neubau mit vielen Klassenräumen und einer Lehrerwohnung in der Kirchstraße. Einweihung war 1895.
Die Ortsverwaltung wurde ausschließlich von Ortsansässigen - vornehmlich Landwirten – geführt. Ihre erste Amtsbezeichnung war Schöppe (Dorfrichter), dann Schulze, in der Zeit der französischen Fremdherrschaft Maire, danach wieder Schulze. Ab 1895 führten sie den Titel Gemeindevorsteher. Als Gemeindehaus diente die obere Etage des „Großen Kruges“. Hier befand sich die Ratsstube, in der der Gemeinderat tagte.
Ein Beweis für die Wohlhabenheit des Ortes war die Einrichtung einer Nebensparkasse der Kreissparkasse Oschersleben Ende des 19. Jahrhunderts, die sich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts sogar zu einer Hauptzweigstelle entwickelte. Mit ihren Spareinlagen stand sie im Kreis an erster Stelle. Dazu trug auch das örtliche Gewerbe bei. Mit dem Begriff „Dorf“ wird irrtümlicherweise zumeist gemeint, dass das Gemeinwesen hauptsächlich von der Landwirtschaft bestimmt wird. Das trifft auf Dedeleben nicht zu.
Bis in die 80er Jahre spielte der Flachsanbau und seine Verarbeitung eine bedeutende Rolle. Flurnamen „Rothe“ und „Rottgraben“ weisen darauf hin. Zur Verarbeitung der Rohfaser entstanden viele Gewerke: die Bleiche, Spinnstuben (auch Rocken- oder Kunkelstuben genannt), Leinwebereien, Färbereien und schließlich der Handel. Im Ort gab es zwei Bleichen, eine Färberei und 41 Leinweber. Darunter waren auch drei Drellweber, die den so genannten Drillich, der beim Militär Verwendung fand, produzierten.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die dörfliche Wirtschaft durch Handwerk der verschiedensten Gewerke geprägt. Es gab drei Schmiede, drei Stellmacher, zwei Tischler, zwei Drechsler, zwei Schneider, zwei Schuhmacher, vier Maurer, drei Zimmerleute, ein Färber, ein Seiler, ein Böttcher, eine Salzhandlung und mehrere Materialhandlungen. Der Ort verfügte über fünf Wasser-, vier Wind- und zwei Ölmühlen. Auf dem „Mühlenberg (zwischen Sömmeringweg und Pabstorfer Chaussee) betrieb der Müller Cornee zwei Bockwindmühlen. Ein Nachfahr der von der französischen Königen verfolgten Protestanten und vom Großen Kurfürsten aufgenommenen Flüchtlingen, wovon sich einige im 18. Jahrhundert in Dedeleben ansiedelten. Eine Mühle davon brannte ab und die zweite wurde 1921 demontiert und in Ostpreußen wieder aufgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Mühle auf dem „Kleinen Sülzekopf“ (links der Rohrsheimer Chaussee) abgerissen und die vierte Mühle von Windmüller Denecke, nahe der oberschlächtigen Wassermühle „Kummühle“ gelegen, brannte 1912 durch Blitzschlag ab.
Auf Grund der anwachsenden Bevölkerung, die versorgt werden mussten, entstanden auch eine Vielzahl von Verkaufseinrichtungen. 1884 eröffnete Heinrich Beck die erste Schlachterei, in der es täglich frisches Fleisch gab. Das Geschäft einer Fleischerei lief gut, obwohl jeder, der es sich leisten konnte, Schlachtvieh hielt und je nach Größe der Familie ein- bis zweimal im Jahr schlachtete. Nach kurzer Zeit folgten vier weitere Geschäfte, die alle ihr Auskommen hatten.
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwei Bäcker (Ende des Jahrhunderts bereits sechs).
Im gleichen Maße blühte auch der Handel auf. Die Zahl der Gemischtwarenläden stieg von drei auf sieben. Für die Versorgungseinrichtung galt es als ungeschriebenes Gesetz, zur Eröffnung neben dem Eingang einen Baum zu pflanzen. Das waren z.B. Linden, Robinien oder Weißdornbäume.
Für die Geselligkeit sorgten vier Gaststätten mit Ausspann, Fremdenzimmer, Saalbetrieb und Biergarten, Küche und Vereinszimmer. Drei kamen noch dazu, einschließlich des 1833 erbauten Knackstedtschen Gasthofs „Zum Kiebitzdamm“, der an Stelle des schon 1714 erwähnten „Gasthof(s) zum Zoll“ errichtet wurde, und Schankwirtschaften.
Einige interessante gemeindeeigene Bauten sollen noch erwähnt werden. Da wäre zunächst der „Tölleturm“, das Armenhaus (Ecke Seidenbeutel/Graue), das bereits im Mittelalter errichtet wurde. In ihm lebten die Ärmsten der Armen und wurden von der Gemeinde versorgt. Die Wohnungen glichen mehr mittelalterlichen Verließen. 1893 wurde das Armenhaus wegen Baufälligkeit abgerissen und Grund und Boden verkauft.
Bis 1840 wurde das Gemeindebackhaus (heute Ernst-Thälmann-Straße 48) mit ständigem Wechsel verpachtet, dann wurde es in Erbpacht (ein Nachfahre kann das Erbgut übernehmen) gegeben 1849 an den Rhodener Bäckermeister Hermann verkauft.
Gleiches gilt für den „Gemeindekrug“, später der „Große Krug“ (spätere Gemeindeverwaltung). Auch wurde in festgelegten Zeiträumen an neue „Krüger“ (Schankwirte) verpachtet und 1848 an den Gastwirt Reinecke verkauft.
Auch die Baderie in der Wrampestraße wurde an Paschedag, der als Bader (Barbier – Friseur), Wundarzt, Chirurg und Zahnarzt fungierte, verkauft.
Der wirtschaftliche Aufschwung setzte sich fort. 1901 wurde in Dedeleben ein Elektrizitätswerk gebaut. Die Errichtung dieses Werkes erfolgte direkt am Marienbach. Zunächst wurde der Ort mit Gleichstrom, später dann mit Wechselstrom versorgt. Nach Stilllegung des E-Werkes 1950 wurden dort für mehrere Jahre von der Gemeindeverwaltung Wannenbäder und Duschen eingerichtet, die gegen eine geringe Bezahlung von der Bevölkerung genutzt werden konnte. Im Jahr 1960 entstand dort eine Turnhalle. Die Familie Hoffmann erwarb das Haus nach der Wende und baute es zum Wohnhaus um.
Im Jahre 1906 wurde ein neues Spritzenhaus am Marienbach erbaut und seiner Bestimmung übergeben. Dieses Gerätehaus wurde im Vorlauf der Jahre mehrfach umgebaut und den gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Der Saal der ehemaligen Gaststätte „Schwarzer Adler“ wurde 1997/98 zu einem modernen Feuerwehrgerätehaus umgebaut. Die Freiwillige Feuerwehr Dedeleben erhält für ihre vorbildlichen Leistungen sowie stete Einsatzbereitschaft bereits zahlreiche Belobigungen und Ehrenurkunden.
Das Jahrhundert brachte mit zwei Weltkriegen unsägliches Leid über die Menschen.
Im Ersten Weltkrieg fielen an den Fronten und auf See 65 Männer aus Dedeleben. Nach Kriegsende entstand auch in Dedeleben der Bund der Frontsoldaten, der „Stahlhelm“, der sich mit dafür einsetzte, ein Denkmal für die gefallenen Söhne des Dorfes zu errichten. Auf dem Rendelberg wurde in kürzester Zeit ein Ehrenmal erbaut und im Sommer 1925 eingeweiht.
Der Ortschronist erforschte die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. So war es möglich, Namenstafeln von den Opfern dieses Krieg am 13. November 2005 feierlich zu enthüllen. 73 Wehrpflichtige mussten ihr Leben im Krieg lassen.
Anfang 1940 flog ein einzelnes englisches Flugzeug über das Dorf und warf vier Sprengbomben ab, die auf dem Acker zwischen Dedeleben und Pabstorf einschlugen. Ein weiterer englischer Bomber stürzte brennend auf einen Acker unserer Gemarkung.
Am 11. April 1945 erfolgte der Einmarsch der amerikanischen Truppen in Dedeleben. Nach dem Abzug der Amerikaner wurde Dedeleben von den Engländern besetzt. Kurze Zeit danach, am 1.Juli 1945, wurde das Gebiet von den Engländern geräumt und die Rote Armee hielt Einzug.
Das zweifellos einschneidendste Ereignis in Dedeleben war jedoch die Bodenreform 1945. Die Bauern, die den meisten Acker besaßen, wurden enteignet. Dazu gehörten: Freihold von Hünecke, Robert Wissel, Erich Heucke und A. Beckmann. Der enteignete Acker wurde an Flüchtlinge und an die landarme Bevölkerung aufgeteilt. Außer den bereits genannten Enteigneten gab es in unserem Ort noch weitere Großbauern, die aufgrund von Sanktionen zwangsweise das Dorf verließen. Dazu gehören: Kurt Schliephake, Herbert Schliephake und Kurt Wölke. Sie gingen Anfang der 50er Jahre in die Bundesrepublik. Ein weiterer Großbauer, Werner Matthies, musste sein Grundstück verlassen. Auch über seinen Acker war er nicht mehr verfügungsberechtigt.
Die vorgenannten Bauernhöfe bildeten am 5. Februar 1953 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Friedensland“. Sie verfügte über eine Ackerfläche von 966,65 ha und zählte 152 Mitglieder. Im März 1960 wurde der gesamte Acker der Einzelbauern im Ort zusammengelegt. Es entstand daraus die LPG „Grenzland“. Diese LPG ging im Jahre 1973 in die LPG „Friedensland” über. Anfang des Jahres 1974 bildete sich die Kooperation Pflanzenproduktion mit Sitz in Dedeleben. Die zu bewirtschaftende Ackerfläche hatte eine Größenordnung von ca. 6.000 ha. Nach der Wende ging die Ackerfläche wieder in Privatbesitz über.
Am 1. Oktober 1945 nahm die Schule wieder ihre Arbeit auf. Es standen drei Schulräume zur Verfügung. Die Kinder mehrerer Jahrgänge wurden in einer Klasse unterrichtet. Als Unterrichtsräume wurden auch das Schützenhaus und eine auf dem Schulhof aufgestellte Baracke genutzt. Der Sportunterricht wurde zu dieser Zeit auf den Sälen der Gaststätten Grages und Pollmann durchgeführt. Bedingt durch die Umsiedler mussten im Schuljahr 1945/46 insgesamt 330 Schüler unterrichtet werden. Dafür standen 6 Lehrkräfte zur Verfügung.
Am 13. Dezember 1948 wurde auch in Dedeleben die Pionierorganisation gegründet.
Seit 1951 unterrichteten an unserer Schule nur Lehrer, die ihre Ausbildung nach 1945 begonnen hatten. 1955 verfügte die Grundschule über 10 Lehrerinnen/Lehrer, einen Pionierleiter und eine Hortnerin. Um die Bildungsarbeit an den Schulen zu verbessern, wurden Zentralschulen gebildet, die 1957 in Dedeleben entstand. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Schüler der Klassen 5 bis 8 aus Westerburg und die Schüler der Klassen 7 und 8 aus Rohrsheim an unserer Schule unterrichtet.
1959 wurde die Schule durch das Gebäude der ehemaligen Kommandantur der Grenzpolizei erweitert.
Im Februar 1963 erhielt die FDJ ihr eigenes Jugendheim auf dem Rendelberg.
Da das Gebäude später zu einem Wohnhaus wurde, zog der Jugendklub in eine Baracke im Sömmeringweg ein.
1968 unterrichteten an der Polytechnischen Schule 18 Lehrerinnen/Lehrer, ein Pionierleiter und drei Hortnerinnen.
Eine Verbesserung für den Unterricht war die Einrichtung eines polytechnischen Kabinetts 1976 in der ehemaligen Molkerei.
Die Unterrichtsräume in der Kirchstraße und in der ehemaligen Villa aus dem Jahre 1888 reichten für die Schülerzahlen nicht mehr aus, so dass die Schule 1975 durch den Umbau der angrenzenden Scheune erweitert wurde. Es entstanden moderne Fachkabinette. Die Schüler der unteren Schulklassen wurden in der Kirchstraße unterrichtet. Diese Grundschule blieb bis zum Sommer 2001 dort. Mit Beginn der Sommerferien 2007 wird die Sekundarschule geschlossen, so dass es keine Schulen mehr in Dedeleben gibt.
Als im Jahre 1945 die Familie Freihold von Hünecke enteignet wurde, zog der Kindergarten in deren Haus ein und befindet sich bis heute darin. Im Jahre 1967 erhielt die Einrichtung den Namen „Deutsch-Sowjetische-Freundschaft“, den sie bis zur Übernahme durch die Arbeiterwohlfahrt im Jahre 1993 beibehielt. Seit 2002 ist der Kindergarten in kommunaler Trägerschaft.
Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR gegründet. Deutschland war in zwei deutsche Staaten geteilt. Verbunden mit dieser Teilung wurde eine Grenze zwischen Dedeleben und Jerxheim gezogen. Als Folge entfernte man die Schienen im so genannten Grenzgebiet.
Seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gab es zahlreiche Initiativen, die 4 km fehlenden Schienen, die Dedeleben mit Jerxheim verbinden würden, wieder zu legen. (Aktion Lückenschluss Dedeleben – Jerxheim). Am 31. März 2000 fuhr der letzte Zug von Halberstadt nach Dedeleben.
Die Teilung Deutschlands brachte für den Ort einige Unannehmlichkeiten mit sich. Im Jahre 1952 wurde das Sperrgebiet entlang der Grenze zur Bundesrepublik geschaffen. Der Sperrbezirk begann am Bahnhof Vogelsdorf. Dort wurde der erste Schlagbaum errichtet. Die ständigen Einwohner diese Gebietes erhielten einen entsprechenden Stempel im Personalausweis und bekamen einen Grenzzuschlag von 15 % des Bruttolohnes. Während dieser Zeit verschärfte sich die politische Situation. Es wurde mit den Zwangsaussiedlungen von Bürgern aus Dedeleben begonnen. Personen, die nicht für das Sperrgebiet waren und für den Staat einen Unsicherheitsfaktor darstellten, wurden ausgesiedelt, das heißt, sie mussten ihren Wohnort verlassen.
Diese Zwangsaussiedlungen erstreckten sich über den Zeitraum von 1952 bis 1961. Am 1. September 1972 erfolgte eine Verlagerung des Grenzgebietes. Einige Orte zählten nun nicht mehr zum Sperrgebiet, da die Zahlung des Grenzzuschlages den Staat finanziell stark belastete. Der Ort Dedeleben gehörte nun zum grenznahen Raum.
In diesen Ortschaften wurden auf freiwilliger Basis Zivilpersonen als so genannte Volks- und Grenzhelfer eingesetzt.
Das Jahr 1957 war für Dedeleben ein großer Höhepunkt, die 900-Jahr-Feier. Ein Festumzug erfreute die unzähligen Zuschauer. In vielen Bildern wurde die Geschichte Dedelebens wieder lebendig. So führten zwei Herolde zu Pferde den Festzug an, gefolgt von Steinzeitmenschen, hoch zu Ross „Dedo von Dedeleve“, Bauernkrieger, Ritter, Hünerkopf mit der Hexe und vieles mehr. Für die Gäste musste ein Passierschein beantragt werden, was häufig zu Schwierigkeiten führte, weil nicht jedem Antrag zum besuchsweisen Aufenthalt stattgegeben wurde.
Im Mai 1961 hat Herr Jürgen Beck eine Konsum-Fleischverkaufsstelle geschaffen, die bisher im Privatbesitz seiner Vorfahren war. Außerdem eröffneten im Jahre 1961 in der Gemeinde zwei Selbstbedienungsläden für Lebensmittel, je eine Spezialverkaufsstelle für Textil- und Industriewaren.
Das Jahr 1961 war auch für die politische Situation ein entscheidendes Jahr, dem Mauerbau am 13. August 1961.
Gleichzeitig wurde auch ein Grenzzaun mit Minenfeldern angelegt.
1963 wurden auf der Ackerfläche „Lange Feld“ zwei Rinderoffenställe der LPG Tierproduktion erbaut. In einem dieser Ställe betreibt unser Ortsbürgermeister, Herr Egbert Krause, eine Straußenfarm.
Der Ort Dedeleben verfügte 1965 über ein Netz verschiedenartigster Einrichtungen: eine polytechnische Oberschule, ein Kindergarten, eine Kinderkrippe, einen Hort, zwei LPGen, eine Zuckerfabrik, eine BHG, eine Zweigstelle der Kreissparkasse, eine staatliche Arztpraxis, Bahnanschluss, Busverbindungen und einen Taxibetrieb (Walter Keßler). Dedeleben hatte zu dieser Zeit ca. 1.600 Einwohner und ca. 600 Haushalte.
Die Zuckerfabrik, die bis 1945 als Kapitalgesellschaft arbeitete und danach Volkseigentum wurde, produzierte aufgrund der unrentablen Arbeitsweise 1968/69 den letzten Rohzucker aus Zuckerrüben. Nach der Schließung als Zuckerfabrik wurde die vorhandene Trocknung für Futtermittel und Schwerspat noch einige Jahre genutzt.
Im März 1969 wurde der ehemalige Pferdestall, der sich auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik befand, in Feierabendtätigkeit von Maurern aus unserem Ort zu einer Produktionsstätte - Kleiderwerk - umgestaltet. In dem Gebäude entstanden ein Produktionsraum für 40 Näherinnen, zwei Büroräume und ein Speiseraum. Im Jahr 1972/73 wurde das Kleiderwerk erweitert. Dazu erwarb man das Gebäude der ehemaligen Zuckerfabrik käuflich.
In diesem Haus befanden sich ein zweiter Produktionsraum, ein für den Versand, weitere Büros und eine Großküche. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich auf 200 Frauen, die aus Dedeleben und den benachbarten Ortschaften kamen. Die Frauen fertigten Kinderoberbekleidung, die größtenteils in die Sowjetunion, aber auch in die Bundesrepublik versandt wurden.
In den Räumen des ehemaligen Kleiderwerkes befindet sich heute die Firma „Ökonorm“, die Farben auf Naturbasis herstellt.
Unser Dorf ist aus zwei Ortschaften zusammengewachsen. Die beiden Kirchen, zum einen die Johanneskirche in Nord-Dedeleben (Kleindedeleben) und zum anderen die Marienkirche in Süd-Dedeleben (Großdedeleben), sind dafür der Beweis. Im Laufe der Jahre ist die Johanneskirche leider dem Verfall preisgegeben. Sie gleicht heute einem Trümmerhaufen. Obwohl an der Marienkirche schon größere Umbauarbeiten und Renovierungen stattgefunden haben, sind doch aktuelle Schäden, wie z. B. defektes Glockengeläut und Turmschäden, unüberhörbar und –sehbar.
1972 kam Pastor Bernhardt mit seiner Familie nach Dedeleben. Er leitete neben seiner täglichen Arbeit als Pfarrer auch die Frauenhilfe, den Gesprächskreis für junge Leute und die Konfirmandengruppe. Am 12. Dezember 2001 verstarb Herr Christian Bernhardt nach 29 Dienstjahren als Pastor in Dedeleben. Seit Juli 2002 übte Herr Dr. Michael Paschelke das Amt des Pfarrers auf Probe aus und seit 2006 ist er offizieller Amtsinhaber für den Pfarrsprengel Dedeleben.
Verwaltungstechnisch änderte sich auch vieles im Laufe der Jahre. Im Juli 1972 wurde der Gemeindeverband „Großes Bruch“ mit Sitz in Dedeleben gegründet. Dazu gehörten die Gemeinden: Dedeleben, Westerburg, Pabstorf, Aderstedt, Vogelsdorf, Badersleben, Rohrsheim. Hessen, Veltheim und Osterode.
1977 freuten sich die Bewohner Dedelebens über den Um- und Ausbau der Badeanstalt. Viele helfen dabei unentgeltlich mit, um eine schöne Anlage zu gestalten. Die Badeanstalt ist mehrmals baulich verändert worden.
Die erste Bademöglichkeit und der Fußballplatz konnten 1931 nur verwirklicht werden, weil die Gemeinde sechs Morgen Ackerland zur Verfügung stellte. 1993 wurde das Bad mit modernster Ausstattung versehen und feierlich der Bevölkerung übergeben.
Das Jahr 1989 – eines der wohl bedeutendsten in der deutsch-deutschen Geschichte.
Am 8. Dezember 1989 wurde dann auch der Grenzübergang Dedeleben – Jerxheim geöffnet. Die Straßenbauarbeiten auf bundesdeutscher Seite waren zur damaligen Zeit bereits abgeschlossen. Auf DDR – Seite wurde eine provisorische Straße bis zum Grenzzaun gebaut. Vorläufig durften jedoch nur Fußgänger die Brücke über den Großen Graben passieren. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Brücke dann für den Fahrzeugverkehr freigegeben.
Am 1. Juli 1990 findet im Rahmen des Einigungsvertrages die Währungsunion statt. Mit der Einheit und der neuen Währung konnten auch die nötigen Investitionen im Dorf vorgenommen werden.
Als erstes wurde die Straße von Jerxheim bis zur Kreuzung Ernst-Thälmann-Straße saniert.
Im 1991 – vom Frühjahr bis Herbst – wird die Rudolf-Breitscheid-Straße ausgebaut. Wasser- und Abwasserrohre, Energiekabel und Telefonleitungen wurden verlegt.
1992 wird der Marienbach im Bereich von der Zentrale bis zur Klintstraße saniert. Im gleichen Jahr wurde die Kirchstraße, Am Bache und die Hinterstraße umfassend erneuert und mit modernen Hausanschlüssen versehen.
1993 gehen die Baumaßnahmen weiter. So wurde die Trinkwasserleitung von Vogelsdorf bis zum Ortseingang nach Dedeleben verlegt. Im Rahmen der Erneuerung und des Ausbaus wurden folgende Straßen saniert:
Im Pfeilern, Seidenbeutel, Auf der Graue, Hinter dem Dorfe (Schwarzer Berg) und Ernst-Thälmann-Straße bis zum Ortseingang von Vogelsdorf. Die bis dahin erneuerten Straßen waren ab 5. Mai 1993 an die zentrale Wasserleitung angeschlossen.
Auch die Zweigstelle der Kreissparkasse Halberstadt veränderte ihr Gesicht. Am 3. Juni 1992 begannen umfangreiche Modernisierungsarbeiten bei laufendem Kundenbetrieb. Nach rund acht Monaten Bauzeit konnte den Bürgern am 1.März 1993 ein modern ausgestatteter Kassenraum übergeben werden.
1993 kauft die Gemeinde die ehemalige Kaserne der Grenztruppen und ab Oktober 1993 war dies der neue Gemeindeverwaltungssitz. Der damalig eingesetzte Bürgermeister Henning Rühe unterschrieb den Vertrag. Die Gründung einer Verwaltungsgemeinschaft ließ aber weiter auf sich warten, obwohl Gespräche mit dem damaligen Landrat Wintjen und dem Leiter der Verwaltungsgemeinschaft stattfanden. Am 1. Januar 1994 bildete sich doch die Verwaltungsgemeinschaft „Huy“ , bestehend aus 11 Mitgliedsgemeinden.
Diese sind: Aderstedt, Anderbeck, Badersleben, Dedeleben, Dingelstedt, Eilenstedt, Eilsdorf, Huy-Neinstedt, Pabstorf, Schlanstedt und Vogelsdorf. Seit 1. April 2002 gehören diese Dörfer zur Gemeinde Huy und sind Ortsteile.
Am 12. Juni 1994 fand die Wahl des neuen Bürgermeisters statt. Henning Rühe wurde von den Bürgern wieder gewählt. Gleichzeitig gewann er am 26. Juni die Stichwahl für das Amt des Landrates von Landkreis Halberstadt mit über 50% der wahlberechtigten Stimmen gegen den vorherigen Landrat Wintjen. Damit brauchte Dedeleben wieder einen neuen Bürgermeister. Dieses Amt übte ab 16. Oktober 1994 Edelbert Herbst aus. Ab Ende Februar 1997 konnte Herr Herbst sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Es mussten Neuwahlen stattfinden. Am 11. Juni wurde Dieter Eschberger als neuer Bürgermeister tätig.
2003 standen Kommunalwahlen an. Egbert Krause wurde zum Ortsbürgermeister gewählt. Er übte dieses Amt schon anderthalb Jahre kommissarisch aus, da der bis dahin amtierende Bürgermeister Dieter Eschberger vorzeitig zurückgetreten war.
Alles entwickelte sich nicht nur positiv. So mussten auch Einrichtungen nach der Wende schließen. Die Postagentur, die in alter Zeit (1873) einmal zu den größten gehörte, wurde am 7. August 1995 geschlossen.
Ab 1995 übernahm die Kohow-Kaufhalle Dedeleben die postalische Versorgung. Auch das Austragen der Post veränderte sich. Mit dem Postauto wird heute die Post gebracht und der Briefträger eingespart.
Seit dem 30. Mai 2005 befindet sich eine Poststelle im Quelle-Shop Viola Hartmann.
Die baulichen Veränderungen wurden aber kontinuierlich in Dedeleben fortgesetzt. Im August 1995 waren die 24 neuen Sozialwohnungen in der Klintstraße bezugsfertig.
Der Baubeginn des ersten Bauabschnitts der B 244 war im September 1995, was aber mit erheblichen Verkehrsbehinderungen verbunden war.
Am 1. August 1996 erfolgte die feierliche Einweihung dieses Bauabschnittes.
Im Oktober wurde am Markt eine neue Bushaltestelle gebaut. Schon im Dezember dieses Jahres begann man mit der Verlegung der nötigen Versorgungsleitungen in der Klintstraße.
In Westerburg erfolgte die Erneuerung des Dorfplatzes und der Straßenausbau wurde fertig gestellt.
Ab April 1999 wurde der zweite Bauabschnitt des Ausbaus der B 244 von der Sparkasse bis zum Markt gestartet.
Eine weitere Gestaltung stand auf dem Plan und so wurde am 30. Juni damit begonnen, den Schulhof der Sekundarschule umzugestalten – mit neuer Pflasterung, Pflanzung von Bäumen und Aufstellung von Bänken.
Seit 4. Dezember 1999 ist Dedeleben am Erdgasnetz der Stadtwerke Halberstadt angeschlossen. Das Verlegen der 4,5 km langen Erdgasleitung im Ort ging einher mit dem Ausbau der Bundesstraße 244.
Am 29. Juli 2003 veränderte sich das Dorfbild insofern, dass die Familie Krüger von der Gemeinde die ehemalige Grenzkaserne kaufte und damit die Idee hatte, das „Seniorenzentrum Krüger“ zu bauen. Die ambulante Pflege wurde nun um einen stationären Bereich erweitert. Die offizielle Einweihung erfolgte am 8. Oktober 2004. 40 ältere Bürger finden dort einen würdevollen Lebensabend.
Gleichzeitig hat sich das Seniorenzentrum zu einem Gesundheits- und Dienstleistungszentrum für die Dedelebener entwickelt. Eine Zahnarztpraxis, eine Physiotherapie, Kosmetik- und Fußpflegesalon, Friseur und Cafeteria können die Bürger nutzen.