Am 11. Juli 1994 wurde Henning Rühe aus Dedeleben als Landrat des Landkreises Halberstadt vereidigt. Den meisten Menschen unserer Heimat ist aber unbekannt, dass es bereits im 19.Jahrhundert einen Landrat aus Dedeleben gab, der sich große Verdienste während seiner 15jährigen Amtszeit bei der Entwicklung und Neugestaltung von Wirtschaft und Politik in der Zeit der napoleonischen Fremdherrschaft und darüber hinaus erwarb. Es war der Baron Heinrich-Ludwig von Huneke. Er wurde am 08. Oktober 1767 in Möthlitz (Brandenburg) geboren und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Vertreter des Geschlechts derer von Huneke. Dieses war eine alteingesessene Adelsfamilie in Dedeleben, denn bereits 1630 wurde sie mit dem "Hofe da der steynerne Turm stehet" (die Wasserburg in Norddedeleben) und dessen gesamtem Zubehör vom Bistum Halberstadt belehnt. Ihr Familienwappen begegnet uns auch auf der Burg Ummendorf und an den Kurien (Wohnhäuser) der Domdechanten Albrecht und Joachim von Huneke, die in der Zeit des 30jährigen Krieges Verwalter eines Kreises des Bistums waren, sowie der Domherren (Berater des Bischofs) Joachim und Christoph von Huneke in Halberstadt am Domplatz 43.

Familienwappen des Domherren Hans Christoph von Huneken
Nach dem Besuch des Domgymnasiums in Halberstadt wurde Heinrich-Ludwig 16jährig, einer Familientradition folgend, Soldat bei den Preußischen Schweren Reitern in Schönebeck. Als Standartenjunker wurde er sogar von König Friedrich II. (der "Alte Fritz") empfangen. 1806 schied er als Rittmeister (Hauptmann der Kavallerie) aus dem Militärdienst aus. Eine Teilnahme an der unglückseligen Schlacht von Jena/Auerstedt gegen Napoleons Truppen im Jahr 1806 ist noch nicht nachweisbar. Im gleichen Jahr kam er nach Dedeleben, wo sein Bruder das väterliche Rittergut verwaltete. 1807 wurde er Schulze (Bürgermeister) der Gemeinde. Es war die Zeit, in der fast ganz Europa unter der Herrschaft Napoleons geriet. Dedeleben wurde dem künstlich geschaffenen Königreich Westfalen zugeordnet und erhielt die zweifelhafte Ehre zum "Hauptort eines Canton" (Bezirkshauptstadt) des Saale-Departments erhoben zu werden. Als Cantons-Mairie wurde Heinrich-Ludwig von Hüneke bestellt. Trotz aller Unbilden seiner Zeit, unangemessene Erhöhung der Steuern und Abgaben, von 1809-1813 ständige Einquartierungen und Truppendurchzüge französischer Truppen, Kriegssteuern, Vorspanndienste und Zwangsrekrutierungen, erwarb er sich große Verdienste um seinen Ort. Die Gemeindekasse wurde so gut verwaltet, dass viele Abgaben, die auf den Einzelnen verteilt werden mussten, aus der Ortskasse bestritten wurden. Der Aufgabenbereich der Polizei wurde neu organisiert. Gräben und Brücken wurden ausgebaut, um den Ort vor den alljährlichen Hochwassern zu schützen. Fahrwege wurden befestigt und erhielten eine Pflasterung, die Schulzimmer wurden vergrößert. Im Februar 1814 wurde er auf Grund seiner Verdienste zum Landrat von Halberstadt berufen, tauschte aber diese Stelle mit der im Kreis Osterwieck und 1816 mit der Oscherslebener Landratsstelle. Als 1825 der Kreis Oschersleben neu strukturiert wurde, war das Rittergut in Dedeleben bis 1829 Sitz des Landrates und damit das Landratsamt. Es wurde 1830 nach Schwanebeck verlegt. Am 30. Mai 1829 verstarb Heinrich-Ludwig von Hüneken und wurde unter großer Anteilnahme der örtlichen Bevölkerung und seiner Amtskollegen am 02. Juni in dem Erbbegräbnis der Familie in der Johanniskirche von Norddedeleben beigesetzt. In all den Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister, Bezirksbürgermeister und Landrat sorgte er sich um seine Kreise und Gemeinden.
Rüdiger Hinze