Der 18. Juli 1925 war für Dedeleben ein ganz besonderer Tag. Es herrschte Volksfeststimmung. Die gesamte Bevölkerung begab sich zur herrlichen Parkanlage des Rendelberges, denn in den Abendstunden dieses Tages wurde das neu errichtete Ehrenmal feierlich eingeweiht. Das 80. Jubiläum ist Anlass, über die Entstehungsgeschichte dieses weithin einmaligen Bauwerks zu berichten.
Denkmäler sind ja nicht nur die jahrhundertealten Bausubstanzen der Dörfer und Städte, erhaltenswerte Flächen- und Naturbesonderheiten, sondern auch Bauten der jüngeren Vergangenheit. Sie sind keine stummen Zeugen der Geschichte, sondern sie vermitteln Geschichte!
Denkmäler sind Monumente, die nicht von irgend jemanden willkürlich in die Landschaft gesetzt wurden, sondern Erinnerungsbauwerke, die auch vom Leid ganzer Generationen berichten. Dazu zählen die Mahnmale für die Opfer von Kriegen. Im Volksmund fälschlicherweise kurz als Kriegerdenkmal bezeichnet, die in fast allen Orten des Landes zu Ehren der Gefallenen der verschiedensten Kriege seit Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden.
In Dedeleben existieren zwei solcher Denkmäler. Eines für die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871 auf dem Markt und eines für die vielen Gefallenen des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 in der Parkanlage des Rendelberges.
Doch den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus Dedeleben blieb eine solche Ehrung in der DDR staatlicherseits versagt. Sie wurden sogar als Kriegsverbrecher diffamiert, dem geforderten Vergessen preisgegeben, und eine Erinnerungsstätte ihnen zum Gedenken durfte nicht errichtet werden.

Das Ehrenmal für die gefallenen jungen Männer des Ersten Weltkrieges aus Dedeleben, erbaut auf dem höchsten Punkt des Dorfes, ist in Sachsen-Anhalt, vielleicht in ganz Deutschland, in seiner Bauausführung einmalig. Dass es erbaut werden konnte, war vor allem der Ortsgruppe "Bund der Frontsoldaten", kurz "Stahlhelm" genannt, zu verdanken, der sich 1919 in Dedeleben organisierte und zunächst 35 Mitglieder zählte. Bis zu seiner faktischen Auflösung 1934 stieg die Mitgliederzahl auf über 50. Neben solch irrationalen Zielen, wie zum Beispiel "Kampf gegen den Versailler Vertrag", stand in seiner Satzung aber auch "Pflege der Frontkameradschaft des Weltkrieges". Das beinhaltet die Wahrung der Erinnerung an die Gefallenen des Ortes.
Mit der Mobilmachung am 1. August 1914 und der Kriegserklärung an Russland ahnte noch niemand, dass sich der angestrebte "Blitzkrieg" aufgrund der bestehenden Bündnissysteme (Dreibund Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien, gegründet 1882; und Entente Cordiale - Frankreich, England - gegründet 1904 und ab 1907 auch Russland) zu einem Weltkrieg ausweiten würde. Zu dem ersten "modernen technisierten" Vernichtungskrieg der Geschichte, dem 1,8 Millionen Deutsche zum Opfer fielen.
Auch Dedeleben musste einen hohen Blutzoll erbringen. 200 junge Männer wurden rekrutiert. Davon verloren 65 auf den Schlachtfeldern Europas ihr Leben. Als erster Dedelebener fand der Musketier Reinhold Herbst bereits am 03. August 1914, bei der Einnahme der französischen Stadt Reims durch die 3. Armee, den Tod. Nur 5 der 65 Gefallenen fanden, durch Überführung, in ihrem Heimatort die letzte Ruhe. Kein Verein des Ortes blieb von Gefallenenmeldungen verschont. Allein aus der Schützengesellschaft Nord-Dedeleben mussten 10 ihrer 144 Mitglieder ihr Leben lassen. Aus der Kriegsgefangenschaft der Siegermächte kehrten 32 Soldaten bis zum März 1920 heim. Als erster Fritz Eppert, dem die Flucht aus dreijähriger russischer Gefangenschaft gelang, die ihn vom Kaspischen Meer über Moskau und Warschau bis in seinen Heimatort brachte. Oder Hermann Wenig und der Lehrer Karl Lindau, die beide nach mehrjähriger französischer Internierung als Kranke durch Gefangenenaustausch über die Schweiz nach Deutschland zurückkamen. 103 Männer sahen ihren Heimatort größtenteils als Verwundete oder Invaliden wieder.
Sie uns ihre Familien zu unterstützen, auch finanziell, war ein Anliegen vom "Bund der Frontsoldaten". Doch es ging diesem Vaterländischen Verein um mehr. Um eine würdige Ehrung der Gefallenen. Und so wurde beschlossen, den Opfern des Krieges eine bleibende Erinnerungsstätte zu schaffen, ihnen zu Ehren ein Denkmal zu errichten.
Jahre sollte es noch dauern, bis der Bau des geforderten Kriegerdenkmals in Dedeleben erfolgen konnte. Der Gemeinderat musste den Antrag des Bundes der Frontsoldaten zur Einweihung eines solchen Bauwerkes ablehnen, da die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung standen. Den aus der Gemeindekasse erhielt bereits jede Familie, deren Familienvater oder Söhne an der Front waren, wöchentlich sechs Mark und für jedes Kind noch einmal vier Mark als Unterstützung.
Auch die Vaterländischen Vereine wie der jungdeutsche Orden, der Vaterländische Frauenverein, die beiden Kriegervereine oder der Königin Luise-Bund hatten zunächst kein Interesse daran, waren aber auch nicht in der Lage, dieses Vorhaben finanziell zu unterstützen.
Daraufhin fasste die Ortsgruppe Stahlhelm 1924, dem Jahr der Einführung der Reichsmark, den Beschluss, ein Denkmal aus eigener Kraft zu errichten und organisierte Geldsammlungen. Dabei ist es erstaunlich, dass selbst Familien spendeten, von denen Angehörige in den Materialschlachten des Krieges den Tod gefunden hatten, obwohl doch sie es eigentlich sein müssten, die in ihrer Not auf Hilfe angewiesen waren. Dies kann nicht hoch genug bewertet werden, da Deutschland gerade die Jahre der Inflation überstanden hatte, die 1923 ihren Höhepunkt erreichte und geprägt war von Hunger, Not und Elend. Denn alle Ersparnisse wurden zu wertlosem Papiergeld abgewertet. Eine für die damaligen Verhältnisse enorme Summe an Spendengeldern wurde eingenommen. Die anteiligen Kosten für die zu erstellenden vier Granittafeln konnten damit gedeckt werden und es blieb noch ein hoher Überschuss, der nach der Fertigstellung des Ehrenmals an die Hinterbliebenen der Kriegsopfer verteilt wurde.
Nun sah sich auch der Gemeinderat in der Pflicht und stimmte dem Vorhaben zu. Kontrovers verliefen die Gespräche über den Standort des Denkmals. Vorgeschlagen wurde unter anderem der Bahnhofsvorplatz, der Markt, der Königsplatz oder die beiden Kirchhöfe. Da es zu keiner Einigung kam, schlug der Direktor der Zuckerfabrik Faber vor, den Architekten Winkler aus Bad Harzburg entscheiden zu lassen. Nach Ansicht aller vorgeschlagenen Plätze, entschied dieser sich für den Platz "Über den Steinkuhlen", dem höchsten Punkt des Ortes. Seine Begründung dafür war: "Egal aus welcher Richtung man nach Dedeleben hinein kommt, das Denkmal ist immer sichtbar."

Im November 2003
Dazu muss erwähnt werden, dass die Bäume des aufgeforsteten oberen Bereiches des Rendelberges noch nicht die heutige Höhe erreicht hatten. Das Urteil des Architekten wurde schließlich von allen Beteiligten akzeptiert. Er erklärte sich auch bereit, die Projektierung des Gesamtkomplexes ohne Honorar zu erstellen. Nachdem auch Direktor Faber zusicherte, seine Hofarbeiter, Gespannführer und Maurer unentgeltlich für die umfangreichen Arbeiten frei zu stellen, der Stahlhelm aus seinen Reihen Arbeitsgruppen bilden wollte, die in ihrer Freizeit ohne Bezahlung arbeiten und das gleiche auch der Jungdeutsche Orden zusicherte, konnte das Bauvorhaben begonnen werden.
Umfangreiche Vorarbeiten mussten bewältigt werden, denn die heutige Parkanlage des Rendelberges wurde bis Anfang des 19. Jahrhunderts am nördlichen Hang als Kiesgrube und am südlichem als Steinbruch genutzt. Bereits 1894 begann die Gemeinde mit der Aufforstung des damals so genannten Kirschberges, der seinem überalterten Kirschbaumbestand unansehnlich geworden war. Der 1899 gegründete Verschönerungsverein, der, wie der Name sagt, seine Aufgabe darin sah, das Ortsbild attraktiver zu gestalten, übernahm dann die weitere Ausgestaltung und Erweiterung. Schon damals wurde darauf geachtet, dass nur regionstypische Bäume und Sträucher gepflanzt wurden. Wege wurden angelegt und der fünf Meter breite Hauptweg beidseitig mit einer Weißdornhecke begrenzt. Doch die Verfüllung des Steinbruchs überstieg die Möglichkeiten des Verschönerungsvereins, denn dazu mussten hunderte Kubikmeter Verfüllmaterial und Erdreich angefahren werden.
Nachdem Einigung über die Errichtung des Denkmals erzielt worden war, übernahmen diese Arbeiten hiesige Bauern und die Zuckerfabrik mit ihren Gespannen und Arbeitern.
Seit dem Frühjahr 1925 glich der Rendelberg einer großen Baustelle. Auf dem unterem Plateau reihten sich Stein-, Kies- und Erdhaufen. Unaufhörlich trafen Pferdegespanne ein, die den für das Denkmal vorgesehenen Buntsandstein aus dem Köhlerschen Steinbruch am Heeseberg bei Jerxheim herbei schafften. Hierbei handelt es sich um den seltenen Rogenstein, einer etwa 300 Millionen Jahre alten Versteinerung von Blaualgenbakterien aus dem Erdaltertum. Während unten die Steinrohlinge behauen wurden, begannen oben auf dem künstlich angelegten Platz die Arbeiten am Fundament. Ein drei Meter tiefer massiver Unterbau wurde gegossen. Zeitgleich wurden die Arbeiten am südlichen Aufstieg zum Denkmalplatz begonnen.
Um den Termin zur Fertigstellung der Gesamtanlage einzuhalten, wurden Arbeitsgruppen des Stahlhelms, des Jungdeutschen Ordens und der Fabrikarbeiter von acht bis zehn Mann gebildet, die der Reihe nach - täglich in ihrer Freizeit und unentgeltlich - zu den Arbeiten herangezogen wurden. Dadurch konnte der vom Architekten Winkler vorgegebene Termin eingehalten werden.
In den Mittagsstunden des 17. Mai 1925 war der ganze Ort auf den Beinen. Alle Vereine zogen mit ihren Fahnen auf den Rendelberg, um an der feierlichen Grundsteinlegung teilzunehmen. Obwohl die Parkanlage noch einer großen Baustelle glich, störte das in keiner weise die Festtagsstimmung. Pastor Burghard von Sankt Marien aus der Gemeinde Groß-Dedeleben Und Pfarrer Jeep von der Sankt-Johannes-Gemeinde Nord-Dedeleben würdigten in ihren Reden das Opfer der Gefallenen des Ortes. Danach erfolgte die Grundsteinlegung, die im Beisein des Architekten Winkler aus Bad Harzburg durch den Ortsvorsteher des Stahlhelms vorgenommen wurde. Ein abgedichteter Glasbehälter in einer verlöteten Kupferhülse wurde in das Mauerwerk eingelassen. Darin waren unter anderem Zeitungen, die die damaligen Verhältnisse widerspiegeln, die Urkunde der Denkmalsgründung, Mitgliederlisten der Vaterländischen Vereine, aber vor allem die Namensverzeichnisse, Auszeichnungen und Fotografien der Gefallenen eingelegt.
Dank des Einsatzes der vielen freiwilligen Helfer konnten alle Vorarbeiten für diesen Anlass termingerecht abgeschlossen werden. Nun konnte mit den eigentlichen Baumaßnahmen begonnen werden. Nach dem Projekt des Architekten Winkler wuchs das Denkmal nach und nach zu seiner heutigen, einmaligen Ansicht. Bewusst wurde auf schmückendes Beiwerk, wie Kampfszenen, Soldaten oder Kanonen verzichtet. Als einzige Zierde könnten die drei Tafeln mit den Namen und Sterbedaten der 65 Gefallenen und die vom Westaufgang zu sehende Schmuckplatte gelten.
Das Material dieser vier Platten stammt aus den Granitsteinbrüchen unterhalb des Brockens der Wernigeröder Firme Strutz. Ihre Abmessungen betragen 1,8 mal 2 Meter und wurden von dem Bildhauer Sievers aus Bad Harzburg gestaltet. Seine Honorierung war die einzige (!) finanzielle Belastung, die der Ort für die Errichtung des gesamten Denkmalkomplexes zu tragen hatte. Alle Inschriften erinnern an den bis dahin grausamsten Krieg der Weltgeschichte. Und der Stahlhelm auf der Westplatte weist darauf hin, wem der Ort dieses Denkmal zu verdanken hat.
In der kurzen Zeit von nur acht Wochen wurde das Mahnmal von den Maurern der Zuckerfabrik , die zu diesen Arbeiten freigestellt wurden, errichtet. Es entstand ein Bauwerk von 4 mal 4 mal 6 Meter auf dem künstlich angelegten, 400 Quadratmeter großen Plateau. Der Chronist Fiebig schrieb später: "Auf dem höchsten Punkt des Dorfes gelegen, und darum weithin sichtbar, stellt es in seltener Größe und Einfachheit ein Höhenmonument von imposanter Größe dar. "
Zwei Zugangswege wurden geschaffen. Vom westlichen führten 15 Rundholzstufen zum Denkmalplatz, und der steilere südliche ist terassenartig angelegt und wurde ebenfalls mit Rundholzstufen befestigt. Zur selben Zeit, als oben das Denkmal seine Gestalt annahm, begann der Klempnermeister Friedrich Matthias mit der Pflasterung der Zuwegung von der Bahnhofstraße, dem südlichem Aufstieg. Er schuf ein 12 mal 2,5 Meter großes Mosaik aus tausenden kleinen Kalksteinen, Grauwacke und rotem Porphyr. Eingelegt ist die Jahreszahl der Erbauung des Ehrenmals, eine stilisierte Windrose als Hinweis auf die Kriegsschauplätze der Welt sowie zwei Eiserne Kreuze zum Gedenken der Gefallenen und die vielen Träger dieser Kriegsauszeichnung I. und II. Klasse aus dem Ort. Dazwischen erscheint die Jahreszahl 1914-1918. Diese Arbeiten ließ er sich nicht vergüten.

Südlicher Aufgang
Dank der freiwilligen und unbezahlten Arbeiten aller beteiligten Vereinigungen und Privatpersonen konnte das Denkmal nach kurzer Bauzeit bereits im Sommer 1925 eingeweiht werden. Der ganze Ort befand sich zwei Tage lang in Festtagsstimmung denn die Einweihungszeremonie am 18. Juli wurde bewusst verbunden mit den 50-jährigen, allerdings nachträglichen Jubiläen der beiden Kriegervereine des Ortes am 19. Juli. Am Vormittag des 18. Juli wurde das Denkmal mit Laubgirlanden geschmückt, die von den Frauen des Königin-Luise Bundes, dem Vaterländischen Frauenverein und dem Jungfrauenverein geflochten wurden. Ebenso wie die Kränze, die jeder Vereinigung des Ortes überbracht und von diesem mit ihren Ehrenschleifen verziert wurden. Von den Männern des Bundes der Frontsoldaten wurde das Bauwerk eingehüllt. Bewusst wurde die feierliche Einweihung des Ehrenmals auf die Abendstunden gelegt. Alle Vereinigungen mit ihren Fahnen und die Bevölkerung versammelten sich am Kriegerdenkmal auf dem Markt, welches 1909 zu Ehren der Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871 errichtet worden war.
Angeführt von der Kapelle der Stahlhelmortsgruppe Oschersleben bewegt sich der Festumzug durch den festlich geschmückten Ort zum Rendelberg. Beidseitig flankiert wurde er von Fackelträgern der Vaterländischen Vereine.
Nach der Weihrede von Pfarrer Kappe aus Eitzum und unter dem Glockengeläut beider Kirchen fiel die Verhüllung. 21 Kanonenschläge erhöhten die Feierlichkeit der Einweihung. In seiner schlichten Rede übergab der Leiter der Stahlhelmortsgruppe, Hugo Mahlfeld, das Denkmal an die Gemeinde. Ortsvorsteher Erich Heuke sprach den Dank des Ortes aus und versicherte, das Andenken an die Gefallenen durch bestmögliche Pflege der Anlage zu erhalten. Mit der Kranzniederlegung aller Vereinigungen des Ortes und vieler Privatpersonen, insbesondere der betroffenen Familien, endete die stimmungsvolle Feierstunde.
Der darauf folgende Tag war für Dedeleben ein weiterer Festtag. Gefeiert wurde in Festzelten auf dem Rendelberg bis spät in die Nacht, denn dieser Tag gehörte den beiden Kriegervereinen, die ihr 50-jähriges Jubiläum auf Grund der geschichtlichen Ereignisse, erst acht Jahre später begehen konnten.
Beide Vereine wurden bereits 1867 gegründet. Doch eine Jubelfeier im Kriegsjahr 1917, das Jahr, in dem wieder neun junge Männer des Ortes ihr Leben ließen, verbot sich von selbst. Auch die Lage in der Heimat verschärfte sich ab Dezember 1916 in nie gekanntem Ausmaß. Hunger, Not und Elend waren in ganz Deutschland alltäglich. Erinnert sei nur an den "Steckrübenwinter" 1916/1917.
Der 19. Juli 1925 stand ganz im Zeichen des Jubiläums der Dedelebener Kriegervereine. Nach den vormittäglichem Gottesdienst in beiden Kirchen, versammelten sich wiederum alle Vereine und die Bevölkerung auf dem Festplatz zum Frühkonzert, das erneut von der Stahlhelmkapelle Oschersleben gestaltet wurde. Gulaschkanonen sorgten für eine reichhaltige Mittagsmahlzeit. Ebenso wie die Einwohner des Ortes wurden auch die vielen angereisten auswärtigen Gäste kostenlos versorgt. Alle Kriegervereine des damaligen Regierungsbezirkes Magdeburg waren angereist, um unseren beiden Vereinen ihre Glückwünsche zu überbringen.

Westlicher Aufgang
Alle traten sie um 14.00 Uhr zur Ehrenparade auf der Festwiese im "Breil" an. Der Bezirksvorsitzende des Deutschen Reichskriegerbundes, Generalmajor von Groddeck, schritt unter den Klängen von Militärmusik die Ehrenformation ab. Er würdigte von einer eigens errichteten Tribüne die Leistungen der Kriegervereine und ehrte die Gefallenen Dedelebens.
Der Kreisvorsitzende, Graf von Asseburg, überbrachte die Glückwünsche der Bundesleitung und überreichte beiden Vereinen eine Fahnenmedaille. 20 Kriegervereine in ihren originalen Uniformen nahmen an diesem Jubiläum teil. Die "Langen Kerls" Friedrich II., Schillische Husaren, Ulanen des I. Weltkrieges und selbst eine Artillerieabteilung mit vollständiger Bespannung und viele andere historische Militäreinheiten waren zu sehen.
Nach der Ehrenparade begann der Festumzug zum neuen Kriegerdenkmal. Er wurde angeführt von Artilleriehauptmann a.D. Felix Freiherr von Freyhold-Hüncke aus Dedeleben und den bereits erwähnten Vertretern des Reichskriegerbundes. Auf dem Denkmalplatz wurde noch einmal in aller Stille der Gefallenen gedacht. Denn die drei Granittafeln mit den Namen der Toten berichten von dem unendlichen Leid, das die Hinterbliebenen ertragen mussten. Genannt seien nur die Familien Besarges, Bruns oder Bode, deren beide Söhne innerhalb weniger Wochen ihr junges Leben verloren. Vor allem geben die Namenstafeln aber Auskunft über die Sinnlosigkeit des Völkermordens. Als Synonym dafür steht als letzter der Gefallenen von 1918 der Name von Hermann Mevius. Vier Tage vor der Unterzeichnung des Waffenstillstandes von Compigne am 11. November 1918, als der Krieg schon zu Gunsten der Alliierten entschieden war, erlag er in einem französischen Lazarett seinen schweren Verwundungen.
Bis zur bedingungslosen Kapitulation Hitlers am 08. Mai 1945 wurden die Anlagen des Kriegerdenkmals von der Gemeinde gepflegt und aufgetretene Schäden behoben. Doch dann war damit Schluss. In Potsdamer Abkommen vom 02. August 1945 wurde festgehalten: ".... jeder nazistischen und militaristischen Betätigung und Propaganda ist vorzubeugen!" Daraufhin erließ der Alliierte Kontrollrat am 13. Mai 1946 die Direktive Nr. 30. Darin hieß es unter anderem: "....alle bestehenden Denkmäler, .... Tafeln mit Benennungen oder solcher Art, die der Erhaltung und Unterhaltung militärischer Traditionen und des Militarismus verherrlichen, müssen bis zum 01. Januar 1947 vernichtet und liquidiert sein."
Nach der Weisung wären auch alle Denkmäler zur Ehrung der Gefallenen aller bisherigen Kriege der Vernichtung preisgegeben. Selbst das Kyffhäuserdenkmal sollte abgerissen werden. Ebenso die beiden Dedelebener Denkmale und die, die in fast jedem Ort Deutschlands zu finden sind. Die sowjetische Militäradministration erweiterte die Weisung Nr. 30 und erließ den Befehl Nr. 177 für ihre Besatzungszone. Alle Personendenkmale, Gegenstände und Strassen, die nach dem 01. August 1914 errichtet beziehungsweise benannt wurden, mussten entfernt werden. Für Dedeleben hätte das bedeutet: Abriss beider Denkmäler, aber auch die Umbenennung einer Strasse und eines Platzes in der Ortsmitte.
Letzteres zu Recht. Älter Bürger erinnern sich noch an 1935, als die Hauptstrasse den Namen Adolf-Hitler-Strasse und der Königsplatz plötzlich Hauptmann-Loeper-Platz hieß. Wilhelm Friedrich Loeper war von 1933 bis 1935 NSDAP-Reichsstatthalter von Braunschweig und Anhalt.
Den Königsplatz mit seinem Namen zu entweihen, fand im Ort nicht bei jedem Zustimmung. Der Königsplatz erhielt seinen Namen am 22. Januar 1815. Der ganze Ort war auf den Beinen, um der Namensgebung und der Pflanzung der Königseiche, als Dank für den endgültigen Sieg über Napoleon, beizuwohnen. Laut Befehl Nr. 177 erfolgte die zweite Umbenennung. Doch warum gerade Karl Marx 1950 seinen Namen hergeben musste, bleibt wohl immer das Geheimnis der damals Verantwortlichen. Alle Umbenennungen konnten aber nichts daran ändern, dass dieser Platz im Volksmund auch weiterhin als Königsplatz bezeichnet wird.
Seit 1972 steht auf ihm eine Kaufhalle. Dazu mussten drei große Kastanienbäume weichen, und auch die Königseiche von 1815 wurde gefällt.
Dass in der ehemaligen Provinz Sachsen-Anhalt die Denkmäler nicht gänzlich aus dem Ortsbild verschwunden sind, ist dem Magdeburger Schriftsteller Erich Weinert zu verdanken. Er war zur damaligen Zeit Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung dieser Provinz und verzögerte bewusst die Ausgabe der Durchführungsbestimmungen des Befehls Nr. 177 an die unteren Behörden. Allerdings musste auch er Kompromisse eingehen. Um die historischen Ehrenmale zu erhalten, sollten alle militärischen Symbole und Inschriften entfernt werden, dass sie den nachfolgenden Generationen zur Mahnung dienen.
Auch das Dedelebener Kriegerdenkmal war davon betroffen. Die Granitplatte am westlichen Aufgang wurde abgeschliffen und der Text "Die Toten mahnen" eingemeißelt. Der Originalzustand ist zwar nicht mehr vorhanden, aber gerade deshalb blieb es erhalten. Vielerorts wurde von den neuen örtlichen Behörden in der sowjetischen Besatzungszone der Befehl Nr. 177 ohne weiter zu denken, bedingungslos befolgt. Erst am 24. Juni 1952 beendete die DDR-Regierung den Zerstörungswahn und stufte die Kriegerdenkmäler, die vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten errichtet wurden, als Nationale Denkmäler ein.
Nach 1990 keimte die Hoffnung, die Denkmalanlage in ihren Originalzustand zu bringen. Das Vorhaben scheiterte, da angeblich keine finanziellen Mittel dafür bereit gestellt werden konnten, weil die Verbesserung der Infrastruktur Vorrang haben müsse.
Doch seit Oktober 2003 konnten erste Maßnahmen, mit tatkräftiger Unterstützung des Ortsbürgermeisters Egbert Krause, zur Sicherung des Denkmals eingeleitet werden. Ziel ist es, das Monument nach erfolgter Restaurierung im Jahr 2005 mit einer Namenstafel der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges zu erweitern, was auch erfolgte.
Nachforschungen des Ortschronisten Rüdiger Hinze ergaben ein erschreckendes Bild. 100 Dedelebener mussten ihr Leben lassen, insgesamt 202 waren rekrutiert worden. An dieser Stelle möchte sich Herr Rüdiger Hinze bei allen älteren Bürgern Dedelebens bedanken, die durch ihre Zuarbeit an der Erstellung des Namensregisters großen Anteil hatten.