"Von dem Hinschiede des Vaters, des Landdrost Matthias Friedrich, weiß denn auch die Sage etwas seltsames zu melden. Denn da er Freimaurer, und sogar Meister vom Stuhle dieser geheimnisvollen gewesen, so musste bei seinem Absterben sich wohl etwas ereignen, das nicht so ganz mit rechten Dingen zuging. Und dieses blieb dann auch nicht aus. Am Todestage, dem 09.01.1751, erblickte man um Mitternacht einen aus der Gegend von Braunschweig mit Fackeln schauerlich herannahenden, sich langsam fortbewegenden, langen Leichenzug, der in tiefster Stille nach dem Gottesacker schwebte, und daselbst vor der Pforte des Erbbegräbnisses plötzlich - verschwand! - Am 16., gleichfalls des Abends, langte wirklich der Leichenzug aus Braunschweig hier an, und die Asche des Landdrost ward nun wirklich mit großer Feierlichkeit im Erbbegräbnisse beigesetzt."
"Die Sage weiß auch noch von einer alten Haushaltsjungfer der Kneitlinge zu erzählen, die um jede Mitternacht, mit einem großen, klirrenden Schlüsselbunde am Gürtel am Hof durchwandert, und dann zuletzt sich in den Kuhstall begibt, ob die Mägde rein ausgemelkt haben, wofür es, wenn es nicht geschehen ist, am nächsten Abend Rüffe und Knüffe von unsichtbarer Hand regnet. Wenn die alte Jungfer bei dem großen Stier angelangt ist, spricht sie das übliche "hoi op!" Der Stier gehorcht, steht auf, sie trat ihm zwischen den Hörnern und - verschwindet. "

Umzug zur 900 Jahrfeier am 30.06.1957
Dorf am Bruch, umkränzt von Hügeln, vom Marienbach umspült,
immer hab ich allerorten stolz mich als dein Kind gefühlt.
Zwischen Fallstein, Elm und Asse, angesichts von Harz und Huy,
liegt am Bruche meine Heimat. Ich werd` sie vergessen nie
Schwarz und schwer ist deine Erde, Korn und Rüben deine Frucht.
Am großen Graben in den Wiesen sind Reh und Kiebitz auf der Flucht.
Und daheim in deinen Mauern schafft ein tüchtiges Geschlecht.
Stählt die Kraft in ernster Arbeit, hasst die Falschheit, schützt das Recht.
Schlank und stark, gleich jungen Buchen wachsen blonde Frauen dir.
Hellen Auges, frohen Mutes sind sie deine schönste Zier.
Dedeleben, meine Heimat, dir sei Lob und Preis geweiht.
Grün und blühe, schöne Heimat, heut und morgen - allezeit.

"Schlammteich" der ehemaligen Zuckerfabrik
Du lüttjes Dörp am groten Brauke, du steist bestimmt in keinem Bauke, un manch Gelehrter, noch so klauke, de kennt dik nich.Wenn ut'n Wieschen witter Nebel krupet, un hof un Hus im Harbest drin versupet, dann slöpt verstoken uner sienen dicken Dauke mien lüttjes Dörp an groten Brauke.
Man geit, de Oen wie taubunnen, un keiner härre dik efunnen, wär nich im wüsten Nebelweihn dat heisere Schrien von dienen Kreihn. De Reübe staht in lanken Rehn in fetten Bodden rund un swar, man is bestimmt damit taufreen wie jede Jahr.
Wenn't aber Frühjahr ward, dann is dat Dörp wie vernarrt, dann platzet manchem siene Hut, un sleit hei mit de Böme ut, dann summt de Barg balle wien Bienenswarm, de Immen sind de Kinder, Frun un Mäken, mit Juchen, Singen, lustigen Gespräken süht man sei swarmen Arm in Arm.
Sei könnt ook sittsam gahn, sau brun un swart, sau möllig rund un blau un blond, Sei hätt sau ehre eigene Art, sau rar un rosig un sau warm durchsunnt. De Mannslü aber, bin Volksfest un Friescheiten, daut wei sik dull de Näs bejeiten; et lett sik tau gemütlich sien bi Smorworst, Beir un Brennewien.
Da blifft saugar de ole Riecke bet Morgensfreü bi de Musike, möcht silbest sik in Takte dreihn, mot immer nahde slanken Dänzers seihn. Dann sitt man smuk op stolzen Rossen, drifft lut un lärmend siene Possen un ritt, wenn man enauch "genossen" nah Huse, rückwärts gar op einen Ossen.
Du lüttjes Dörp an groten Brauke, du steihst bestimmt in keinem Bauke, un manch Gelehrter, noch so klauke, de kennt dik nich. Uns aber, Uns bist du ant Hert ewussen, dat sleit uns heit in usen Bussen; et faat uns mit Gewalt, wenn nur dien dürer Name fallt, sau kennt Wei dik.

Umzug zur 900 Jahrfeier am 30.06.1957
Et is noch gar nich lange her, vorn halwen Jahre ungefär, da kreig dä Fritze einen Breif, dat war ne nu ok wirklich leif!
In Jerxen solle Fader stahn, dat Kind soll hei nahr Döpe drahn! Sien Schwester war doch da verfrieht mit Otton schon sau lange Tied. Da harre Jahre droppe lurt, et hat doch ziemlich lange durt! Nu kam dä frohe Botschaft noch, un Fritze freue seck nu doch.
Dä Reise war en betten schwar, weil hier dä Grenze twischen war. Früh`r war dat blot ne Kleinigkeit, weil Jerxen in dä nähe steiht. Ne halwe Stunne ging man da, - man kannt ja saihn von hier, ganz nah!-
Doch dat war Fritzen tau gefährlich, da röbberhuschen, hei wor ehrlich. Morgens umme fünwe denn, da ging hier nahn Bahnhof hen, un sette seck in "Doppelstock" mit Tasche, Haut un Sönndasrock.
Dä Fahrt geiht los, un dat war Pech, von Jerxen feure wie´re weg. Da make Fritze seck nist drut, denn saune Rundfahrt is ok gut. Betahlt hat hei sien schönes Geld tau´r Reise um dä halwe Welt.
Doch Midda`s nu in Madeborg, da war hei mit dä Reise dorch. Da stund hei nu in dän Gedränge, dä Fahrt, dä treckt seck in dä Länge. Sau harre`t seck nich vorestellt, un denn dat veele Reisegeld! Et is egal, nu bin eck hier, un feure mit en Zug ok wi`er.
Wär "A" sagt, seggt tauletzt ok "B", un hei stigt in sien Kupee. Nahn Sitzplatz bruke nich tau frah`n, hei moßte bet nahr Grenze stahn. Et war ne alles ok egal.
Düt make eck nich noche mal, denkt hei, düt is en betten veel, dat is ein ganz mischantes Speel! Dat kann eck einfach nich verstahn. Wu eck kann hen tau Faute gahn, da feure eck schon veele Stunnen, un hebbet noch nich öbberwun`n. Dä Hälfte hebb`eck nu erst rum, dat is tau veel, is meck tau dumm!
Dä Dag, dä is nu ahneretten, dat soll`eck Klocke fünge wetten! Denn bleif in Schranke Haut un Stock, un ok mien nieher Sänndasrock!
Doch alles Wundern half nich mehr, dä Zug, dä feure langsam wi`er. Un Klocke sieben, oppen Schlag, secht hei in Jerxen "Guden Dag!"
Dä Fahrt harr hei nu öberwun`n, et dure ja bloß 15 Stunnen! Nah Jerxen, wat sau nahe lag, da bruke hei den ganzen Dag!
Hei make nu dä Döpe midde un rüste seck wär ob de Stidde. Tau Otton segte, et ward Tied, "Dä Weg nah Dellebe is recht wiet un kost veel Geld, dat is nich fein, hier krist du meck nich mär tau sein! Wenn eck nun wedder bin tau Hus, denn wink`eck uten Fenster `n Gruß. Dä kos`t kein Geld un is ok gut, un wei bruukt nich taun Huse ruut.
Un Otto seggt tau Fritzen noch: "Dä Grenzen möt verschwin`n doch." Un Fritze seggt noch, wie hei geiht, un Otton ob dä Schulder schleit: "Wie`t hier utsüht, dat is ja Wahn, wei möt mehr tausamme stahn! Wenn alles treckt an einen Strange, is um dä Grenze meck nich bange. Wenn Ost und West seck is ganz nah, denn is dä Einheit Deutschlands da!"
Wenn eck an´n Rosschen Barge stah, un kucke wiet int Land, sau merk eck, dat meck hier un da, sau manijes bekannt.
Wenn da mien Blick na Süden fallt, denn seih eck da den Huy, Dat is dä allerschönste Wald, dat wett dä meisten Lü.
Dä starken Eiken, Bäuken, dä uns gern Schatten spend, dä kannst du da opsäuken, wenn heit dä Sunne brennt.
Dreiht seck mien Blick na Norden denn, seih eck in`n Groten Brauk, als legt man an dä Ere henn, en frischet greunes Dauk.
Doch manchmal ok, verwandelt seck, det Brauk in`n groten See. Verschwunnen is denn, merket deck, dat Dauk ut Gras und Klee.
In`n Groten Brauke deihst du denn Storch un Anten finnen. Ja ok dän Kiebitz sühst du denn, doch dä deiht wer verschwinnen.
Et deiht, Dörp dat du vorr meck liest, mien Blick nu op deck fallen Eck wett, dat du mien Heimat bist, du, bestet Dörp von allen.
Deck, Dedelewe, grüße eck, hier von`n Rosschen Barge, Eck wohn in deck un bliew bie deck, bet dat eck mot nahn Barge!
Mien Heimatdörp, mien Dedelewe, deck dau`k nich verlaten! Wo eck dat Licht erblicket hewe, will eck`t wedder laten!
Un schlut eck miene O`n mal tau, un ligge in`n Sarge, schmiet se dä Gruft mit Ere tau, von usen Rendelbarge.
Gedichte Seite 1