Weiter mit dieser Chronik geht es dann auf "Seite 2". Die Stiftungsurkunde der Kita aus dem Jahre 1896 finden Sie unter "Stiftungsurkunde der Stiftung "Marien-Heim zu Groß Dedeleben".
Wo fängt man an bei einer Chronik? Klar, am Anfang. Aber wir beginnen bei dem 70. Geburtstages des Kindergartens. Dazu schrieb 1963 Kurt Germer (Dedelebener Heimatdichter gest. 1963 - Schöne Gedichte von ihm unter "Gedichte"):

Der "Küstermannsche Hof"
"Wir schreiben den 31. Mai 1963. Es war in den frühen Nachmittagsstunden, da ertönte Marschmusik im Dorf. Geschmückte Wagen, besetzt mit den jüngsten Erdenbürgern unseres Dorfes, bunte Trachten tragend, folgten der Kapelle. Transparente "70 Jahre Kindergarten" usw. deuteten auf die Bedeutung des Festumzuges hin.
Ja, unser Kindergarten kann in diesem Jahre sein 70jähriges Bestehen feiern. Was lag näher, als diese Feier mit dem Internationalen Kindertag zu verbinden?
Siebzig Jahre Kindergarten, das hört man nicht oft in den Gemeinden unseres Kreises. Aber in Dedeleben ist es so. Das zeigen deutlich die Ermittlungen, die der Leiter des Heimatmuseums, Otto Krüger, zusammengetragen hat. In dem Schriftsatz heißt es wörtlich:
"Damit die ihren Berufspflichten nachgehenden Mütter sich während ihrer Abwesenheit von zu Hause nicht um ihre Kinder zu sorgen brauchten, wurde im April 1863 von der Kirchengemeinde Groß-Dedeleben ein Kindergarten eingerichtet. Zunächst wurden die kleinen im "Großen Krug" gesammelt und beschäftigt. Der durch private Wohltätigkeit unterhaltenen Einrichtung sichert eine Stiftung des Ehepaares August und Doris Siehe im Herbst 1894 längere Dauer. Aus dem Vermächtnis der kurz vorher verstorbenen Schwester der Frau Siehe, Fräulein Schrader aus Rohrsheim, stellten beide ein Kapital von 14.000 Mark und das Haus Hauptstraße 31, das dem Fiskus anheim gefallene Heiersche Haus im Neuen Tore, das sie erstanden hatten, zur Unterhaltung des Kindergartens und Wohnung und Heizung für zwei allein stehende arme Witwen zur Verfügung. Die unter dem Namen "Marienheim" errichtete Stiftung wurde vom Staate genehmigt, und das zweckdienlich ausgebaute Marienheim-Grundstück am 23. Oktober 1894 in Gegenwart des Kuratoriums der Stiftung - bestehend aus dem Kirchengemeinderat, dem Stifter Siehe, dem Schulzen und Kantor von St. Marien als Rendanten - seiner Bestimmung übergeben."
Wie nun dieses Ehepaar Siehe als einzelne für die Kinder unseres Dorfes sorgte, so und noch mehr sorgt sich heute unser Staat um die Kleinen in allen Städten und Dörfern unserer Republik.
Darüber unterhalten wir uns in einer späteren Ausgabe des "Huy-Fallstein-Echos".
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Kinderprogramm ca. 1946
Über die Stiftung liegt auch noch die Stiftsurkunde der Stiftung "Marienheim" zu Groß-Dedeleben vor. Sie stammt vom 20. September 1896. Übersetzt von Sütterlien in lateinische Schrift von Frau E. Geißler im Mai 1993.
Nachzulesen unter "Stiftungsurkunde der Stiftung "Marien-Heim zu Groß Dedeleben".
Hr. Pfarrer Christian Bernhardt schrieb 1993 zum Thema:
"Das Marienheim beherbergte von 1894 ab eine 1893 für Groß-Dedeleben eingerichtete Kleinkinderschule und gewährte zwei allein stehenden alten Frauen Unterkunft und Heizung.
Das Marienheim ist eine Stiftung des Ehepaares August und Doris Siehe. Das staatlich genehmigte Stift wird von einem Kuratorium verwaltet, das aus den Stiftern bzw. deren Nachkommen (H. Woelcke), dem Kirchenrat von St. Marien und dem Bürgermeister besteht.
Nachdem der größte Teil des Stiftungskapitals durch die Inflation verloren gegangen war, konnte das Stift seiner Zweckbestimmung nicht mehr gerecht werden. Der Schulbetrieb wurde zunächst durch Zuschüsse der am Bestehen der Kleinkinderschule interessierten Landwirte aufrechterhalten und vom Juli 1922 ab ganz eingestellt.
Im Jahre 1929 stellte sich dann die hiesige Ortsgruppe des "Königin-Luisen-Bundes" (wurde 1933 verboten) in den Dienst der Allgemeinheit, indem sie einen von einer Kindergärtnerin geleiteten Kindergarten einrichtete. Spielplatz war der Rendelberg, und bei schlechtem Wetter wurde der Saal einer Gastwirtschaft aufgesucht.
Im dritten Reich hat die N.S.V. (National-Sozialistische-Volkswohlfahrt) den berufstätigen Müttern die Sorge um die Kleinen während der Arbeitszeit abgenommen. Als Kleinkinderschule wird bis auf weiteres das 1932 freigewordene Schulgrundstück "Am Markt" benutzt. Zum Spielplatz ist ein Teil des alten Friedhofs bei der Marienkirche eingerichtet."
Ab 1946 wurde der Kindergarten im Rittergut weitergeführt. Im September 1954 wurde auch eine Krippe angegliedert. 1967 erhielt die Einrichtung den Namen "Deutsch-Sowjetische-Freundschaft", den sie bis zur Übernahme durch die AWO 1993 beibehielt. Im Jahr 1991 wurden Krippe und Kindergarten zu einer Kindertagesstätte zusammengeschlossen. Seit 1996 ist auch ein Hort angegliedert. Träger seit Herbst 2002 ist die Gemeinde Huy.

Kinderprogramm ca. 1946
Im folgenden sind einzelne Höhepunkte aus den vergangenen Jahren zu lesen. Leider gibt es teilweise große Lücken, aber was vorhanden war ist hier aufgeführt. Auf allgemeine Feiern, wie zum Beispiel der jährliche Auftritt der Knirpse beim AWO-Begegnungsfest, das Herbstfest, Weihnachtsfeiern oder mal ein "Tag der offenen Tür" sei nur hier kurz hingewiesen, da es Veranstaltungen sind die sich jährlich wiederholen.
Fotos einzelner Veranstaltungen sehen Sie unter "Bilder"
1967 begrüßte der Kindergarten "Deutsch-Sowjetische-Freundschaft" den Arbeiterveteranen Genossen Franz Fischer, der selbst Mitglied des Zentralrates der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische-Freundschaft ist und den Kindergarten 1967 mit einweihte. Groß war der Jubel bei den Kleinen als er Geschenke, wie Puppen, überreichte.
1993 feierte die Einrichtung ihr 100jähriges Bestehen. Dazu wurden alle ehemaligen Mitarbeiter eingeladen, um dann am Nachmittag mit 65 Kinder ein Fest zu feiern. Zu diesem Anlass übergab die Zweigstelle der Kreissparkasse Dedeleben einen Scheck in Höhe von 250 DM an die Kindertagesstätte. Dieses Geld, so die Leiterin Carolin Krause, werde für den Bau eines kleinen Hauses für die Kinder mitverwandt. Zum 100jährigen Jahrestag gab es weiterhin viele Glückwunschschreiben ehemaliger Mitarbeiterinnen. Der damalige Bürgermeisters Henning Rühe übergab dem Kindergarten einen Scheck über 500 DM.
1995 gab es innerhalb der "Projektwochen" eine "Tastlandschaft" für Kindergartenkinder in der Sekundarschule. Durch zehn Schüler der Klassen 5-9 wurden Tastlandschaften hergestellt, um verschiedene Materialzustände (weich, rauh, spitz und flexibel) ertasten zu können. Im Juni fertigten Sekundarschüler mit ihrem Lehrer Hrn. Römmer eine Verkehrsstraße für die Kinder.
1996 war das Jahr der Renovierung. Im zukünftigen Horthaus wurden von Januar - Juli umfassende Arbeiten durchgeführt. Erneuert wurden unter anderem Decken, Wände, Heizung und die Sanitärräume. Die Gemeinde investierte seit 1990 fast 500.000 DM. Am 02. August gehen einige Grundschüler zum ersten Mal den Weg zum Hort, der sich jetzt im AWO-Kinderland befindet. In diesem Jahr besuchte auch die Sozialministerin Sachsen-Anhalts, Fr. Dr. Gerlinde Kuppe, den Kindergarten. Mit Osterglocken und Gesang wurde sie begrüßt. "Ich bin fasziniert von der lockeren und kreativen Atmosphäre dieser Einrichtung. Man spürt richtig, dass die Erzieher Spaß an ihrer Arbeit haben."
1997 schreibt Kathrin Matz, Sprecherin des Elternrates, "Es fehlt ein Hausmeister, was man, bei genauem Hinsehen, sowohl Spielgeräten als auch der Freifläche anmerkt." Der lange Weg vom Eingang wird langsam durch die Sträucher überwuchert. Auch ist der Zaun an einigen Stellen defekt. Eine Mängelliste mit weiteren Punkten wurde an den Kreisverband der AWO geschickt. "Warmes Wasser für unsere Kleinen", so begrüßte Carolin Krause im Dezember einige Gäste, darunter Dieter Eschberger - Bürgermeister, Ursula Wenig von der AWO und Georg Blumentritt von der Arbeiterwohlfahrt, zur Einweihung eines neuen Waschraumes.

Im Rittergut ca.1958/60
1998, am 13.November war der jährlich stattfindende Laternenumzug gleichzeitig ein Protestmarsch gegen die geplanten katastrophalen Änderungen im Kinderbetreuungsgesetz des Landes, betonte Carolin Krause. Anschließend gab es wieder ein Lagerfeuer mit Schmalzbrot und Gurken auf dem Grundstück der Fam. Röpke. Zu dieser Zeit befanden sich übrigens 92 Kinder im Kindergarten. Im Jahr 1998 wurde auch der Flur der Einrichtung renoviert.
1999 "Ich kämpfe weiter, und das, solange wie ich kann", sagte seinerzeit Detlef Scharenberg, Vorsitzender des Kreiselternrates. Es wurden Unterschriften gegen das Kinderbetreuungsgesetz gesammelt. Selbst die Kinder ziehen durch den Ort und fordern die Einwohner zur Unterschrift auf. Zur Einweihung des neu sanierten Dorfgemeinschaftshauses Anfang des Jahres führten auch die Kinder des Kindergartens ein Programm auf. Am 01.Juli gab es eine große Party zum Abschluss der Projekttage zum Thema "Was wir alles aus Müll herstellen können und wie wir mit Müll umgehen". Im August führten einige Eltern das Märchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" auf.
2000. In diesem Jahr sei auf das Kinderfest hingewiesen, das im Zeichen des "Wilden Westens" stand. Für über 90 Kinder standen Zelte, Ponyreiten und und und bereit. Zünftige Country Musik gab es von Ulrich Knackstedt.
2001. "Einmal wieder Kind sein", unter diesem Motto hatte die Kindertagesstätte zu einem Elternabend anderer Art eingeladen. Zuerst wurde gesungen, dann durften die Eltern wählen welches Angebot sie wahrnehmen wollen. Sport, Musik, Serviettentechnik, Lesestübchen (ein Legebrettspiel) oder Sandwiches herstellen. Dieser Abend hat den anwesenden Eltern sehr viel Spaß bereitet.
2002. ist eine neue Satzung für die Kindertagesstätte in Vorbereitung, die unter anderem geänderte Öffnungszeiten beinhaltet. Am 07. Mai veranstalteten die Kinder einen Zirkus. Es konnten "kleine Löwen, Pferde, Clowns und Seiltänzerinnen bestaunt werden. Ein Höhepunkt dabei war die Aufführung von "Schneewittchen und die sieben Zwerge" durch die Eltern. Ungewöhnlicher Besuch, Geschäftsleute aus Japan die sich in der Westerburg aufhielten, kam am 18. Oktober in den Kindergarten. Nach einer Führung durch Carolin Krause waren die Japaner sehr begeistert von der Einrichtung. Spekulationen über eine Schließung der Kindertagesstätte wurden am 10. September bei einer Gesamtelternversammlung durch Regine Thomas, Sachbearbeiterin in der Einheitsgemeinde, entkräftet. Vielmehr sollen die Pläne zur Sanierung der Einrichtung möglichst bald realisiert werden. Ein Sanierungsprojekt liege bereits vor, jedoch kann ohne Fördermittel dieses Projekt noch nicht realisiert werden. Im November gab es noch einen großen Arbeitseinsatz der Freiwilligen Feuerwehr Dedeleben auf dem Gelände, wobei die Dachrinne gesäubert wurde und Baumfällarbeiten durchgeführt wurden.
2003. "Der Zustand des Gebäudes macht uns große Sorgen", sagt Peggy Neumann. Ein engagierter Elternrat kämpft für die Sanierung der Kita Dedeleben. Der Elternrat war nicht nur bei der Vorbereitung des 110jährigen Bestehens aktiv. Inzwischen hat er auch einen Brief mit der Bitte um finanzielle Unterstützung für die "hochbetagte" Einrichtung an Bundeskanzler Gerhard Schröder geschrieben. Auch ist die Gründung eines Fördervereins geplant, für den interessierte Mitglieder gesucht werden. (siehe auch unter "Vereine") Ein besonderer Höhepunkt aber war das 110jährige Bestehen der Einrichtung. Fünfzig ehemalige und aktuelle Mitarbeiter trafen sich zu einer kleinen Feier. Es wurde natürlich viel über alte Zeiten geplaudert. Eine Woche lang feierte die Kita das Jubiläum, ob intern mit den Erziehern, gemeinsam mit den ortsansässigen Vereinen oder gemeinsam mit Eltern und Großeltern. Zu diesem Ereignis gab es wieder jede Menge Glückwünsche von überall her.

Einrichtung Gruppenraum Ende 50er/Anfang 60er Jahre
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