Lesen Sie hier märchenhafte und weihnachtliche private Geschichten. Haben auch Sie dergleichen, dann kann es hier gern mit eingefügt werden.
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Marianne Kaindl
Der kleine Michel hatte nur einen Wunsch, einen ganz kleinen – oder ganz großen, wie man es nimmt: Er wollte unbedingt einmal das Christkind sehen. Immer vor Weihnachten versperrte Michels Mutter das Speisezimmer, damit das Christkind dort ungestört ein- und ausfliegen konnte. Kaum aber war das Zimmer verschlossen, war auch schon der Michel beim Schlüsselloch und spähte in das geheimnisvolle Zimmer.
War da nicht ein Lichtschein? Flimmerte es nicht wie von goldenem Engelshaar? Nein, nichts, rein gar nichts war zu sehen, denn Mutter, die ihren neugierigen Buben genau kannte, hatte vorsorglich das Schlüsselloch verhängt. Doch je weniger Michel sehen konnte, umso brennender wurde seine Sehnsucht, einmal, nur ein einziges Mal, in das versperrte Zimmer zu gucken und das Christkind beobachten zu können.
So groß wurde sein Verlangen, dass er oft nachts nicht einschlafen konnte und hinausblickte in die Winternacht, zum Himmel, an dem die Sterne glänzten. Sie glitzerten und funkelten die ganze Nacht, aber das Christkind flog niemals vorbei.
Eines Nachts, als Michel wieder wach lag, zupfte auf einmal etwas an der Bettdecke, und da stand mitten im mondhellen Zimmer ein Zwerglein. „Soso“, sagte es, „ da liegt er also, der Schlüssellochgucker, der mich so oft in meinem Schlaf stört. Rasch, steh auf – komm mit mir. Ich will deine Neugier stillen, nur damit ich endlich Ruhe vor dir habe.“
„Wer, wer bist du?“ fragte Michel verwundert.
„Ich bin das Schlüssellochmännchen, das alle Geheimnisse kennt, und das du immer im Schlafe störst, du neugieriger Schlingel! Und jetzt, dalli – wir klettern durchs Schlüsselloch ins Weihnachtszimmer!“
Michel fuhr aus seinem Bett und in die Pantoffeln, aber da sah er erst wie winzig klein das Männlein war. „Ja, wie kann ich denn mit dir gehen? Ich bin doch so groß.“
„Das lass meine Sorge sein!“ Das Männlein nahm einen Maßstab aus der Tasche und ließ ihn in die Höhe schnellen, bis er Michels Kopf erreicht hatte. Dann zog er ihn wieder ein. Als der Maßstab zusammenschnurrte, wurde auch Michel immer kleiner. Zuletzt reichte er dem Männlein nur noch bis zu den Schultern. Der Zwerg nahm Michel bei der Hand. An einem Spinnwebenfaden kletterten sie zum Schlüsselloch des Speisezimmers. Hastig zerrte das Männlein Michel durch das Schlüsselloch. Auf der anderen Seite gab es auch einen Spinnfaden, und hurtig rutschten die beiden daran hinunter.
„So, nun guck dich um, neugieriger Lausbub!“ knurrte der Zwerg und ließ den Maßstab wieder in die Höhe schnellen. Gleich war Michel wieder groß. Verwundert blickte er im Zimmer umher. Es war bekannt und fremd, vertraut und geheimnisvoll. Ein großer Weihnachtsbaum stand in der Ecke. Silberne Kugeln schimmerten aus dem Grün. Auf dem weiß gedeckten Weihnachtstisch lagen schon die Geschenke. Was es da alles gab! Alle Wünsche hatte das Christkind erfüllt, sogar die allerheimlichsten.
Ganz genau schaute sich Michel alles an, aber – was war das nur? – er konnte sich nicht ein bisschen freuen. Dämmrig war`s im Zimmer. Kein Kerzenschein! Kein Weihnachtsglanz! Wie ein Dieb kam sich der Bub plötzlich vor, wie er da in seinen Weihnachtsgeschenken herumstöberte – wie ein Dieb an seiner eigenen Weihnachtsfreude.
Der Kasperl auf dem Tisch streckte seine lange Zunge heraus. „Dummer Kerl!“ kicherte er, „dummer Kerl!“ Und auch das Schlüssellochmännchen lachte höhnisch.
Blendend hell war`s plötzlich im Zimmer geworden. Alles glänzte strahlender noch als am Weihnachtsabend. Der Kasperl machte eine tiefe Verbeugung, und sogar das Schlüssellochmännchen nahm die Kapuze ab.
„Michel“, sagte eine sanfte, liebe Stimme, „so lange spionierst du mir schon nach kleiner Michel! Nun bin ich da, du musst dich nur umdrehen.“
Aber Michel rührte sich nicht. Nur sein Herz schlug so schnell wie noch nie. „Nein! Nein!“ schluchzte er. „Ich hab` heut schon genug gesehen, Christkind! Ich will nichts mehr wissen! Ich will nichts mehr sehen! Alle Freude hab` ich mir verpatzt! Wenn ich doch nur alles wieder vergessen könnte!“
„Dummer, neugieriger kleiner Michel!“ sagte das Christkind lächelnd. Zärtlich legte es seinen Arm um Michels Schulter, und der Bub fiel sogleich in tiefen Schlaf. Behutsam trug ihn das Christkind in sein Bettchen zurück und betrachtete ihn lächelnd.
„Schlaf gut Michel! Vergiss alles, was du vergessen willst!“ Und der Michel hat wirklich alles vergessen – sogar seine Neugier.
Isa Moran
Im ganzen Haus duftete es nach Pfefferkuchen und süßem Marzipan, nach Tannennadeln und Bienenwachs. Alles, was Mutter und Großmutter zusammengerührt und gebacken hatten – wobei Anne und Fabian helfen und runde Marzipankartoffeln drehen durften -, war nun endlich aus den fest verschlossenen Büchsen und Dosen hervorgeholt worden. Denn heute war der Heilige Abend. Eigentlich war er sogar schon vorbei. Fabian und Anne schliefen nach all der Freude mit roten Bäckchen oben in ihrem Zimmer und unten saßen die Erwachsenen und erzählten davon, wie sie selbst früher Weihnachten gefeiert hatten.
Im Weihnachtszimmer aber war es ganz still. Nur als die Uhr in der Diele zwölf schlug, gähnte die Pfefferkuchenprinzessin im rosa Zuckergusskleid und mit der Krone aus Goldpapier verstohlen und fand, dass die Nacht wirklich sehr lang sei. Das meinte auch das Schaukelpferd und wieherte leise. „hast du auch schon geschlafen?“ fragte die Pfefferkuchenprinzessin mit hohem Stimmchen. „Ja“ erwiderte das braune Schaukelpferd und trat mit den Beinen fest auf die roten Kufen, wobei es sofort zu wippen anfing. „Am liebsten würde ich ein wenig durch den frischen Schnee reiten.“ „Wirklich?“ wisperte die Prinzessin. „Da würde ich auch gern mitkommen. Seitdem die Kerzen abgebrannt sind und die Kinder im Bett liegen, ist es ziemlich langweilig hier. Und die Nüsse, auf denen ich liege, drücken mich so sehr.“ „Würden Sie denn mit hinauskommen?“ fragte das Schaukelpferd überrascht. „Aber natürlich!“ rief die Prinzessin. Da zögerte das Schaukelpferd nicht lange, schüttelte sich ein wenig, damit der eine Steigbügel nach unten rutschte, und schon kletterte die kleine Prinzessin aus Pfefferkuchen hinauf und schwang sich in den weichen Ledersattel. Welch ein Glück, dass Großmutter in all dem Weihnachtstrubel vergessen hatte, die Haustür abzuschließen! Das Schaukelpferd gab der Klinke einen Stoß, und schon sprang die Tür auf.
Draußen glitzerte im Mondlicht der unberührte Schnee, der den Fachwerkhäusern dicke Hauben aufgesetzt hatte. „Heißa!“ rief die kleine Pfefferkuchenprinzessin, und das braune Schaukelpferd wippte auf seinen roten Kufen so munter durch den Schnee, dass es hinter den beiden in feinen Wolken aufstob. Im Stadttor, in dem der Turmbläser wohnte, waren die Fensterläden über dem Torbogen schon fest geschlossen. So sah niemand, wie das seltsame Paar aus der kleinen Stadt heraus ritt.
Draußen auf der Landstraße ging es nicht mehr so schnell voran, weil der Wind die Flocken zu kleinen Schneewehen zusammen geblasen hatte. Das Schaukelpferd prustete, und die Prinzessin
raffte den rosa Rock zusammen. „Da drüben steht ein Stall hinter der Weide, vielleicht können wir dort ein wenig rasten?“ schlug sie vor und klammerte sich fester an das Zaumzeug, an dem hinter den Ohren des Schaukelpferdes auf beiden Seiten ein runder Spiegel im Mondlicht aufblitzte. „Ein guter Gedanke!“ wieherte das Pferd. In dem Stall hatte der Bauer Jakobi Heu für seine Tiere gelagert. Da konnten die zwei warm und behaglich rasten. Sie waren doch ziemlich erschöpft. Die Prinzessin lockerte dem Pferd das Zaumzeug und merkte nicht, wie dabei einer der Spiegel hinfiel. Ihre Krone aber legte sie sorgsam neben sich, bevor sie sich für einen Augenblick im weichen Heu behaglich ausstreckte.
Plötzlich schrak sie zusammen. Das Pferd hatte sie sanft mit den Nüstern angestupst. Da waren sie doch tatsächlich beide eingeschlafen, und die Nacht musste bald vorbei sein! Man glaubt gar nicht, wie hurtig die zwei sich auf den Heimweg machten, um nicht entdeckt zu werden.
Am nächsten Morgen wunderten Anne, Fabian, Großmutter und die Mutter sich aber doch und schüttelten die Köpfe. Wo war denn die Goldkrone der Prinzessin geblieben? Und wie konnte das Schaukelpferd einen Spiegel verloren haben? Noch seltsamer aber erschien allen die kleine Wasserpfütze, die sich vom geschmolzenen Schnee um die roten Kufen des Pferdchens gebildet hatte. Nein, so was!
Auch der Bauer Jakobi, der Heu für seine Tiere holen wollte, blickte ganz erstaunt auf den Stallboden. Was lag denn da? Ein in Messing gefasster runder Spiegel, wie Pferde ihn früher manchmal trugen, und eine winzige Krone aus goldenem Glitzerpapier. Wie kam beides hierher? Aber niemand hat je etwas von dem geheimnisvollen Weihnachtsritt erfahren.

Horst Winkler, Badersleben
Es war Heiligabend 1938, wir wohnten in Badersleben im Wietholz. Bescherung war gewesen, nebenan wohnte mein Freund und Spielkamerad Hilmar Osteroth, den wollte ich besuchen und erzählen, was der Weihnachtsmann mir unter den Christbaum gelegt hatte. Leider war die Hoftür verschlossen, sie saßen wohl in der "Guten Stube" und freuten sich, dass Weihnachten war. Später hörte ich, er hatte eine "Laterna Magica" bekommen. Oft haben wir zusammen gesessen und uns die bunten Bilder auf den Glasscheiben von „Robinson, Max und Moritz" und andere Geschichten angesehen.
Jedenfalls stand ich draußen vor der Tür, es war ein richtiger Bilderbuch-Heiligabend. Der Schnee fiel langsam, er lag fast handhoch, die Straßenlaterne hatte eine weiße Haube und unsere Schlittenbahn am Berg war schon zugeschneit. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, es war eine richtige "Stille Nacht". Da hörte ich von weitem ein Klingeln von einem Pferdeschlitten. Der Schlitten kam näher, und richtig, auf der Straße vom Ort her sah ich zwei Lichter kommen. Ich habe wohl wie gebannt am Straßenrand gestanden und auf das Gefährt gesehen. Zwei Pferde, ein großer Schlitten, rechts und links Lampen, hinten auf den Sitzen Säcke, alle voll gestopft und auf dem Bock saß er, es konnte kein anderer sein, "der Weihnachtsmann".
Es waren Sekunden, da war er vorbei, der Schnee staubte hinter ihm. Eine Weile sah ich noch die Lichter und hörte das Schellengeläut, schließlich verschwand der ganze Spuk Richtung Spring-Kuhberg. Ich weiß nicht mehr wie schnell ich wieder ins Haus kam, jedenfalls die Eltern wunderten sich, dass ich den ganzen Abend so still war, erzählt habe ich nichts, sie hätten doch bloß mit dem Kopf geschüttelt.
Am Tag erzählte ich meinem Vetter Hans was mir der Weihnachtsmann an Spielzeug gebracht hatte. Der tippte sich aber nur vor den Kopf und sagte: "Hör auf mit deinem Weihnachtsmann, den hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben!" Ich wusste es aber besser, denn ich hatte ihn ja wirklich gesehen. Wohl 30 Jahre später, ich war auf Besuch in Badersleben, saß ich mit dem Bauern Rudolf Lohse zusammen und er erzählte mir von seinen früheren Jagderlebnissen, den Treibjagden, den vielen Hasen und Rehen die es damals noch gab und auch, dass er im Winter vor allem das Rotwild gefüttert hatte. So auch, dass er die Gewohnheit gehabt hatte, Heiligabend seinen Tieren eine Bescherung zu machen und wenn es ging, mit dem Schlitten Heu und Rüben zu der Wildfütterung zu bringen. Da hatte ich nun meinen Weihnachtsmann und war gar nicht so glücklich darüber nun zu wissen, wer da an mir vorbeigerauscht war!
Eric Reine
Über Nacht war der Wald ganz weiß geworden. Weiß und weich war der Boden, weiß glitzerte es von den Ästen und Zweigen, und weiß waren auch die Wiesen und Hänge. Die jungen Hasen, die das zum ersten Mal erlebten, waren sehr erstaunt und versuchten, dieses „Weiße“ zu fressen. Aber es schmeckte ihnen nicht. Ganz und gar nicht. Auch die Mäuschen, als sie aus ihren Löchern kamen, waren nicht begeistert, denn sie versanken tief in der lockeren weißen Masse, die da plötzlich alle bedeckte. Die Vögel hielten eine Versammlung ab, um zu beraten, was jetzt zu tun sei, denn man konnte ja fast kein Futter mehr auftreiben.
Ein Teil beschloss, in die Dörfer und Städte hinunter zu fliegen und sich dort irgendwie zu verköstigen, ein anderer Teil aber blieb im Wald und begann die Fichten- und Tannentapfen zu plündern. Alle konnten das nicht, da musste man schon so gut darauf eingerichtet sein sie die Spechte und Kleiber.
Am allerbesten verstand sich der Kreuzschnabel darauf. Der war den ganzen Sommer hindurch in der weiten Welt umhergezogen, aber jetzt fand er es hier wunderschön und begann sogar ein Nest zu bauen für seine Kinder, denn nie im ganzen Jahr gab es für ihn wieder so viel Futter wie gerade jetzt, und das musste man doch ausnützen. Die rotbauchigen Gimpel verzogen sich aus dem Bergwald, auch die dicken Grünfinken und die Meisen flogen ins Tal hinab. Selbst der blaugraue Kleiber machte ab und zu einen kleinen Ausflug zu den Menschen.
Eines Tages aber kam er ganz aufgeregt zurück. „Denkt euch nur, die Menschen bauen mitten in der Stadt einen Wald!“ Der große Buntspecht, der eben einen großen Föhrenzapfen zwischen zwei Äste eingeklemmt hatte, begann zu lachen, dass es im ganzen Wald zu hören war. „Was willst du uns denn da wieder für eine Dummheit erzählen?“ sagte er und lachte immer wieder. „Wie kann man denn einen Wald bauen, du Dummkopf!“ Der Kleiber war sehr gekränkt und sagte nichts mehr. Am nächsten Tag aber kam eine Blaumeise und holte ihre Familie. Sie wollten übersiedeln, sagte sie. In der Stadt unten sei ein prächtiger Fichtenwald gewachsen, und da könne man viel besser wohnen als hier, auch seien die guten Futterplätze gleich zur Hand.
Da wurden die anderen Vögel doch stutzig, und alle, mit Ausnahme des Kreuzschnabels, der ja gar nichts anderes haben wollte, und des Spechtes, der ungläubig blieb, flogen auf und davon, um sich den neuen Wald anzuschauen. Am Abend kamen sie zurück und erzählten Wunderdinge von dem schönen Wald mitten in der Stadt und den vielen Lichtern rundherum, dass der Specht zornig wurde und sich in seine Baumhöhle zurückzog, um diesen „Dummheiten“, wie er meinte, nicht länger zuhören zu müssen. Viele der Vögel aber beschlossen, sofort auszuwandern, andere wollten noch etwas abwarten. Aber als alles gut ging, zogen in den nächsten Tagen immer mehr in die Stadt, selbst die Maus, die in der Nähe der alten Tanne wohnte, übersiedelte. Immer einsamer wurde es im Wald, nur der Specht lachte laut und hämmerte wild an den Stämmen.
So verging einige Zeit im Dezember. Da waren eines Tages ein paar Haubenmeisen und der Kleiber wieder da. Der Wald da unten, erzählten sie, würde immer kleiner, und sie hätten keinen Platz mehr. Am nächsten Tag kamen weitere Auswanderer zurück.
Der Specht, obwohl er doch der Erfahrenste im ganzen Walde war, verstand das Ganze nicht mehr. Als aber dann alle anderen Vögel wieder zurückkamen, entschloss er sich zu einer Besichtigung der sonderbaren Sache und nahm sich einen Kleiber als Führer mit. Doch sie konnten diesen seltsamen Wald nimmer finden. Wie ein Spuck war er verschwunden. Der Specht sagte, er hätte an den „Schwindel“ ohnehin nie geglaubt, aber der Kleiber war beleidigt und suchte und suchte. Endlich fanden sie einen einzigen Baum – dieser stand in einer Wohnung, war ganz bunt geworden, und Lichter brannten an seinen Ästen. Da fing der Specht wieder zu lachen an und flog nach dem Wald zurück. „Ihr Dummköpfe“, sagte er zu den Vögeln, „euer Wald, das waren doch Weihnachtsbäume!“
Sigrid Lorenz, Magdeburg
Use beiden Enkeldöchter Thekla un Freia wohnt seit langer Tiet in Heidelberg, wall use Sohne un Schwiegerdochter da Arbeit efunnen hät. Dat lüttje Freia, 4 Jahre olt, harre bie mienen letzten Beseuk midde krejjen, dat bie de Isenbahne die Priese annestejjen sünd un harre nu Angest, dat de Wiehnachtsmann darumme von Madeborch nich mehr kommen könne. Dat Benzin is ok dürer eworren, dat wett et von sienen Eldern. Wat sall nu de orme Wiehnachtsmann maken? Hei hat en Breif eschrebben an dat Lüttje, in däme stund, dat hei den Sack mit de Geschenke bie de Groteldern forr de Dör stellen deu. Dadropp dat Lüttje: „Da müssen wir Omi gleich anrufen und Bescheid sagen!“
Aan´n Telefon sejje et denn ganz oppgeregt: „Omi, du musst den Sack vom Weihnachtsmann gleich reinholen, wenn er vor der Wohnungstür steht. Sonst denkt er, wir brauchen jetzt nichts mehr, und er holt alles wieder ab!“ „Ja, ja dat will ek woll maken“, hebbe´k eaantwört, „da könnt ji jich dropp vorrlaten.“ De Wiehnachtsmann wett ümmer Rat forr artige Kinder.
Henry Schrader, Dedeleben
Adventszeit, Weihnachten, die Zeit bis zum Jahreswechsel sowie Silvester. Ist das nicht eine schöne Zeit, vielleicht sogar die schönste Zeit des Jahres?
Ich freue mich jedenfalls immer schon lange vorher auf diesen Zeitabschnitt. Dabei denke ich auch gern an die vergangenen Jahre zurück. Wie war es so als Kind?
Wurde die erste Kerze am Adventskranz angezündet, dann konnte man die Zeit bis zum Heiligen Abend kaum noch erwarten. Was wird wohl der Weihnachtsmann für Geschenke bringen? Diese Frage beschäftigte einen sicher am meisten.
Ich muss aber leider auch zugeben, dass es auch schon einmal ein Jahr gab an dem ich auf Geschenke suche war. Mal in diesen Schrank und mal in jenen geschaut, in der Hoffnung schon etwas zu entdecken. Irgendwann, das weiß ich noch, fand ich auch ein ziemlich großes Paket. Allerdings war es schon eingepackt, sodass ich nicht sehen konnte was drinnen war. Durch diesen Fund wurde die Neugier nun umso größer und die restliche Zeit bis zur Bescherung zog sich weiter in die Länge. Hat sich das schnüffeln also gelohnt? Wohl eher nicht!
Spaß bereitete auch das Geschenke einpacken, auch wenn es damals nicht so viel Sachen zu kaufen gab wie das heute der Fall ist. Der Spaß war eben doch da. Einen Karton suchen, das Geschenk reinlegen und schön verpacken.
Als Kind war ich oft bei meiner Oma (Helene Speck) und schlief auch immer wieder bei ihr. Brach dann der Morgen an und wir standen auf, war mein erster Gang in der Regel ans Fenster. Hat es eventuell schon geschneit? Jedenfalls entdeckte ich an einem dieser Morgen hinter einem großen Kleiderschrank eine Weihnachtsmannmaske samt Anzug. Der Schreck war riesengroß, ich dachte wohl der Weihnachtsmann steht dort und beobachtet mich. Es hat lange gedauert bis meine Oma mich wieder beruhigen konnte. Was einem noch alles so in guter Erinnerung geblieben ist, ist schon komisch. Als wenn es erst gestern war.
Bevor aber der Weihnachtsmann kommt „drängelt“ sich natürlich noch am 06. Dezember der Nikolaus vor. Was ja nicht so schlecht ist, bekommt man doch schon im Vorfeld schon einige Kleinigkeiten geschenkt. Soweit man auch immer schön artig war! Meine Stiefel habe ich immer akkurat geputzt, dass versteht sich ja von selbst. Der Nikolaus sollte schließlich auch etwas hineinlegen. „Klein Henry“ hat schon abends den Morgen sehnsüchtig herbei gesehnt. Als ich dann endlich aufstehen konnte lief ich sofort ans Fenster um zu sehen ob etwas im Stiefel steckte. Anscheinend war ich als Kind immer artig, denn es war immer etwas drinnen, obwohl es manchmal auch Missgeschicke gab. Eines hat mir für eine ganze Weile den Spitznamen „Schlammdackel“ eingebracht. Auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik befand sich der „Schlammteich“. Unter diesen Namen kennt ihn jeder im Ort (nebenstehendes Foto).
Wir haben oft dort gespielt, im Winter sind wir auch, wenn er zugefroren war, Gleitschuh bzw. Schlittschuh dort gelaufen. Irgendwann als ich noch klein war bin ich hinein gerutscht und kam von oben bis unten mit Schlamm beschmiert wieder heraus. So ging ich nun nach Hause – peinlich, peinlich, was sollte ich auch sonst machen? Der Weg führte vorbei an dem „Tante Emma-Laden“ von den besten Freunden meiner Eltern, Rosi und Siegfried Mölling. Ich weiß nicht mehr wer von beiden, aber einer gab mir den Spitznamen „Schlammdackel“. Dies sollte nur mal ein kleines Beispiel für einen „Fehltritt“ im wahrsten Sinne des Wortes sein. Aber der Nikolaus sah das zum Glück nicht so eng, ich bekam in jenem Jahr trotzdem etwas.
Jedenfalls lief ich dann morgens sofort ans Fenster und sah nach was der Nikolaus gebracht hat. Spielsachen und Süßigkeiten, na klar. Für mein Leben gern habe ich die DDR-Lebkuchen gegessen. War so etwas im Stiefel, dann verschwand einer natürlich sofort im Mund.
So sah ich übrigens als Kind aus. Wir waren 1970 zu einem Ausflug im Harz. Von links: meine Mutter, mein Opa, meine Oma und Tante Anna aus Berlin.
Da fällt mir noch Lustiges etwas ein. Heiligabend in irgendeinem Jahr (wann war das nur?). Die Bescherung fing an, der Weihnachtsbaum leuchtete und erstrahlte in wunderschönem Glanz. Doch was war das? Ich war enttäuscht, denn es lag kaum etwas unter dem Baum! Das sollte allerdings nur ein Witz meiner Eltern sein, denn hinter einer Ecke lag dann der Rest der Geschenke und „klein Henry“ war wieder glücklich.
Es gab auch Traditionen am Heiligen Abend. Als Besonderheit tranken wir abends, meine Oma war natürlich auch immer dabei, Sekt mit Früchten. Manchmal mit Erdbeeren oder auch mal mit Mandarinen oder Ananas aus der Büchse. Diese Konserven kamen kurz vor Weihnachten mit dem obligatorischen Westpaket. Der Sekt mit Früchten war damals schon was Besonderes, das können sich junge Leute heute sicher nicht vorstellen, aber damals war das so.
Ganz ehrlich muss ich an dieser Stelle auch sagen, dass ich das „zusammensitzen“ am Heiligen Abend damals als Jugendlicher (als Teenager) manches Jahr als langweilig empfunden habe. In dem Alter hatte man wohl andere Interessen.
Heute sehe ich das anders. Es waren doch schöne Abende an die man gerne zurückdenkt. Gerade wenn manche Menschen plötzlich nicht mehr da sind, meine Oma verstarb im September 1989.
Was ich damals noch als sehr schön empfand, war die Stille draußen. Jeder war zu Hause und es war kaum ein Laut auf den Straßen zu hören. Ich ging darum ab und an vor die Tür und genoss diese herrliche Stille. Nach der Wende wurde dies schlagartig anders. Heute fahren die Autos auch am Heiligen Abend und die Stille von damals gibt es nicht mehr. Hat heute keiner mehr Ruhe an solch einem Tag? Schade!
Wer genau hinhörte, konnte über einige Jahre hinweg an diesen Abend im Ort weihnachtliche Lieder hören. Einige Mitglieder des damaligen Jugendblasorchesters spielten verschiedene Lieder auf dem Rendelberg, sodass sie überall in Dedeleben zu hören waren. Auch mittlerweile eine vergessene aber seinerzeit schöne Tradition.
Schön empfand ich auch den nächsten Morgen. Pünktlich aufstehen und sofort runter in die Stube. Dort den herrlichen Duft des Weihnachtsbaumes genießen und sich mit den Geschenken beschäftigen. Als besonderes Weihnachtsgeschenk ist mir noch mein erster Plattenspieler in Erinnerung, da habe ich mich schon wahnsinnig drüber gefreut.
In der Küche brutzelte in der Zwischenzeit der Weihnachtsbraten, meist Flugente oder – hm wie lecker – Puter. Im Fernsehen lief dann so nebenbei das „Pflichtprogramm – Zwischen Frühstück und Gänsebraten“. Als das Essen fertig war wurde dann so richtig „rein gehauen“ und sich so richtig satt gegessen.
In einem Jahr gingen wir als Jugendliche zum Frühschoppen am 25. Dezember nach „Pollmanns“ in die Kneipe. Dort habe ich dann eine doppelte Currywurst gegessen. Manuela, die Köchin, zauberte hervorragende Currywürste!“ Allerdings war ich dann so satt, dass ich den Weihnachtsbraten, auf den ich mich immer sehr gefreut habe, nicht mehr genießen konnte.
Der zweite Weihnachtsfeiertag war dann nicht mehr so schön, denn irgendwie war da schon alles wieder vorbei.
Allerdings empfand ich die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester wieder sehr interessant. Dieser Zeitabschnitt hat irgendetwas Besonderes an sich, ich kann bloß nicht sagen was.
Silvesterknaller und Silvesterraketen aus DDR-Zeiten.
"Fire-Cracker" - dieser Knallkörper war mit mehreren "Filou-Knallern" bestückt, welche dann in der Luft explodierten. Unten links: "Steigender Pyrokreisel". Auch diese beiden Knaller stammen aus vergangenen DDR-Zeiten. Beim Betrachten der „Knallerbilder“ kommt sicher so manche Erinnerung an die DDR-Silvesterfeiern wieder zurück.
Vor Silvester dann das obligatorische Anstellen nach Knaller und Raketen. In Dedeleben kauften wir die Silvesterknaller und Raketen in der Drogerie „Krüger“, später dann bei „Möllings“. Wer sich noch an die Knaller erinnern kann, weiß sicher auch noch, dass sie viel lauter waren als die heutigen.
Mein Lieblingsteil war der „Steigende Pyrokreisel“. Dies war ein kleines „Metalltöpfchen“ der sich mit langem Schweif in die Luft schraubte. War auch ziemlich teuer, ich glaube so um die 5 Ostmark. Aber der Effekt war schon toll!
Den Jahreswechsel feierte ich als Jugendlicher meist mit den „anderen“ aus dem Ort im Jugendclub.
Eine Begebenheit weiß ich noch wie heute. In der DDR-Zeit war das „knallen“ am Silvestertag ab 16:00 Uhr erlaubt. So standen wir mal wieder als Jugendliche vor der Kaufhalle und warteten darauf, dass es endlich vier wird. Wir standen in einer Reihe und hielten die Streichholzschachtel samt Harzer-Knaller in der Hand. Um Punkt 16:00 Uhr zündeten alle ihre Knaller an und warfen sie auf die Straße. „Rums“! Komisch, dass man sich an solche kleinen Sachen immer noch erinnern kann.
Ach wie schön war doch die Zeit damals!
Das soll es erst einmal gewesen sein, vielleicht fällt mir später noch etwas ein, dann werde ich diese kleine Geschichte selbstverständlich ergänzen.